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Nias
34 STUNDEN NACH DEM GROSSEN BEBEN
Einige Stunden vor meinem
geplanten Abflug nach Aceh,
also mitten in der Nacht,
klingelte das Telefon
ununterbrochen. Diesmal hatte
sich keiner mit der
Zeitverschiebung vertan,
sondern Freunde und Verwandte
wollten uns warnen: wieder Tsunamiwarnung für Nord-Sumatra!
In Medan, Nord-Sumatra
angekommen, änderte ich unser
Reiseziel (ich war mit einem
indonesischen Freund
unterwegs): Ich wollte nach Nias, wo das Erdbeben die
stärkste Verwüstung angerichtet
hatte. Aber das Wetter ließ
keine Flüge zu, zumal keiner
wusste, wie sehr die Landebahn
auf Nias beschädigt war. Da
geschah das erste Wunder: Wir
bekamen am frühen Mittwochmorgen
(30.03.05) einen Platz im ersten
Flug nach Nias mit einer Militärmaschine. Später hörten wir, dass andere noch vier Tage am Flughafen
warten mussten, bis sie einen Platz bekamen. Nach der stark abgebremsten
Landung sahen wir schon die Verwundeten am Rollfeld darauf warten, nach Medan gebracht zu werden. Auf der Fahrt in die Stadt Gunung Sitoli auf einem Motorradtaxi kamen uns immer wieder Gruppen entgegen, die ihre Toten auf Bahren zum Friedhof trugen.
Die fehlenden Werkzeuge
Auf einem Fußballplatz standen „Chinook“ Hubschrauber aus Singapore.
Etwas weiter war eine kleine
Gruppe vor einem eingestürzten Haus geschart. Dort saß der Vater von Yuli (17 Jahre) vor einer Öffnung und weinte.
Yuli´s Oberkörper war zu sehen, zerdrückt von einer Betondecke. Stunden nach dem Beben hatte er noch gelebt, sagte der Vater. Aber alle Rettungsteams trafen sehr spät in Nias ein und selbst die Armee brachte keine Werkzeuge wie Betonschneider
oder ähnliches mit. Das hat mich die ersten Tage am meisten bewegt, helfen zu wollen, aber nicht zu können, weil man nicht passend ausgerüstet ist.
Verschüttet
Wir fanden das Haus der einheimischen
Pfingstgemeinde mitten in der zertrümmerten Innenstadt von Gunung Sitoli. Dort wurde gerade Abschied genommen von Tessalonika, drei Jahre alt. Eine Betonwand war auf sie gefallen. Am Ostersonntagabend hatte sie noch beim Einschlafen gesungen: „Hörst du, Jesus ruft meinen Namen!“ Nebendran versuchten Leute sich mit Hammer und Händen einen Zugang in das Innere eines zusammengestürzten Hauses zu verschaffen. Dort vermutete man Melanie, 14 Jahre, die gerade mit einer SMS Lebenszeichen von sich gegeben hatte. Auch ihre Mutter war noch im Haus. Melanies drei ältere Schwestern konnten sich retten und ich sah sie jeden Tag unermüdlich vor dem Loch sitzen und warten. Ich könnte jetzt noch viele solcher Geschichten erzählen, über Hendra (42 Jahre) zum Beispiel,
der nach fünf Tagen lebend geborgen wurde, oder über die Frau, die mich inständig bat, ihren Bruder aus dem Haus zu retten (ich konnte seinen Kopf zwischen den Trümmern erkennen).
Traumatisiert: wird Nias untergehen?
Nach zwei Tagen Mithilfe bei der Rettungsaktion haben wir dann die einzelnen Pfingstgemeinden aufgesucht. Von den elf Gemeinden mit ca. 1100 Mitgliedern wurde keiner ernstlich verletzt. Jesu sei Dank! Die einzelnen Dörfer konnte man selbst mit den Motorrädern nur schwer erreichen. Viele Brücken
waren eingestürzt. Tausende von Menschen kamen uns zu Fuß oder auf Rädern entgegen. Sie flohen aus Nias. „Mister, wird Nias untergehen?“ „Wird es wieder ein neues Beben geben, Mister?“ Wir versuchten, die Menschen zu beruhigen. Sie waren nach diesem zweiten Beben völlig traumatisiert!. Tausende waren noch in den Bergen
aus Angst vor einer weiteren Monsterwelle. Andere stürmten die Fähre zu hunderten, um nach Sumatra überzusiedeln. Ihre Augen voller Angst und Entsetzen.
Trost und Gebet
Alle Gemeindehäuser, nicht aus Beton, waren entweder platt oder nicht mehr zu gebrauchen. Wir wollen nun mit der amerikanischen „Assemblies of God“ die Versammlungsräume
wieder aufbauen. Noch trugen wir aber keine Hilfe in den Händen, sondern brachten ihnen Trost und Gebet. In zwei Gemeinden
hielten wir Gottesdienste. Die Geschwister weinten und beteten inbrünstig. Ein älterer Mann lag an meiner Brust, weinte wie ein Kind und küsste meine Hand. Unsere Anwesenheit war Trost für sie. Wir
versammelten die Pastoren und gaben
ihnen Tipps, wie sie ihre Kirchen zu
Hilfsgüterverteilpunkten für ihr
ganzes Dorf gestalten könnten.
Wieder ein Wunder: 27 Tonnen Reis
Am dritten Tag war ganz Nias auf
den Beinen: man suchte verzweifelt
Benzin und Reis zu bekommen. Und die
Menschen in der Stadt hatten auch
wirklich nichts mehr. Ich versuchte
zwei Tage lang, Reis aufzutreiben,
um unsere Geschwister zu versorgen.
Die Katholiken gaben uns fünf Tonnen
von ihrem Reis ab, den sie von der
UNO bekommen hatten. Dann erhielt
ich eine gute Botschaft aus Padang
(West-Sumatra): Boris Korn hatte ein
Boot gechartert mit 27 Tonnen Reis
und würde am Dienstag in Nias
ankommen. Wieder ein Wunder, denn
Transport und Logistik waren für
alle Organisationen das größte
Hindernis im Nothilfeprogramm. Boris
brachte unter anderem auch Zelte,
Nudeln, Öl, Babynahrung und ein
Motorrad. Zelte waren Mangelware.
Die Menschen schliefen alle im
Freien, weil ihre Häuser
einsturzgefährdet waren und viele
Kinder waren somit dem Wetter
ausgeliefert. Auch bebte die Erde
immer wieder und die Menschen liefen
in Panik auf die Strasse. Die ganze
Plattentektonik von Nias hat sich
übrigens um einige Meter nach Osten
abgesenkt.
Wenn der Geist wirkt
An meinem letzten Abend auf Nias
sprach ich mit einem buddistischen
Chinesen, der nach 18 Stunden mit
Frau und Tochter lebend aus den
Trümmern geborgen werden konnte. Er
ließ sich nicht überzeugen, dass
sein Retter Jesus Christus heißt,
aber Gebet nahm er gerne entgegen.
So betete ich für seinen Körper, der
noch voller blauer
Flecken war. Sofort sprang er auf
und rief: „Ich kann mich wieder
bewegen, ich fühle mich so leicht.“
Am gleichen Abend noch bekehrte sich
Seniwarti, die wie viele der fast
90% Christen auf Nias noch nie
gehört hatte, dass man „von neuem
geboren“ werden kann.
Dein und unser Einsatz
Ich hoffe, dass dieser Bericht
euch gezeigt hat, wie eure Gebete
den Arm des Herrn immer wieder
bewegt haben, Großes zu tun. So
konnten Boris und ich in kurzer Zeit
viel bewegen und schnell helfen.
Eure Spenden haben viele unserer
Geschwister auf Nias gesegnet.
Ebenso in Aceh, wo die Verteilung
von Hilfsgütern und der Wiederaufbau
mit VM Spenden weitergeht.
Betet für eine Erweckung auf Nias
Bitte betet für eine Erweckung
auf Nias, wie es sie vor 100 Jahren
schon einmal gab. Betet für die
Einheit der Christen dort und dass
die einheimische Pfingstbewegung
besonders in dieser Zeit zum Segen
für viele wird. Euer Rick
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Tausende flüchten von
der Insel Nias |
Helfer suchen
nach verschütteten
Opfern |
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