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Am 11. August 2005 erreichte uns
folgender Bericht unseres
Mitarbeiters
aus der Provinz Aceh in Indonesien:
Auch sieben Monate nach dem
Erbeben und dem darauf folgenden
Tsunami in Aceh, Nord-Sumatra,
haben die Hilfsbemühungen noch
nicht aufgehört.
Lange gab es keine Hilfe
In dem Ort T., West-Aceh, dort,
wo die Städte direkt an der
Küste liegen, konnten die Tod
bringenden Wellen ungehindert
Häuser und Menschen überrollen.
Wenn man sieht, wie viele der
Betroffenen hier noch in Zelten
wohnen, dem starken Wind und
heftigen Regenfällen ausgesetzt,
dann könnte man sich fragen, ob
denn Hilfe überhaupt schon bis
hierher vorgedrungen ist. Da
jedoch auch Straßen und Brücken
fortgerissen wurden, war ein
Zugang schwer möglich. Die
Überlebenden mussten wochenlang
auf Hilfe warten.
Gesunde Geburt – trotz
Tsunami
Eine Lehrerin erzählte: „Ich war
hochschwanger, als die Welle
mich kilometerweit fortspühlte.
Meine beiden Kinder wurden mir
aus den Armen gerissen, ich habe
sie nie wieder gesehen. Wir
flüchteten dann in die Berge, wo
ich mit meinem Mann wieder
vereint wurde. Noch tagelang
floss braunes Wasser aus meiner
Nase und meinen Ohren. Am Tag
nach dem Tsunami habe ich mein
Kind zur Welt gebracht.
Alhamdulillah, es ist gesund,
obwohl es bei der Geburt kein
sauberes Wasser gab und mein
Mann die Nabelschnur mit seinem
Schlüssel abtrennen musste.“
Solche Berichte sind keine
Seltenheit.
Bis der erste US Hubschrauber
mit Reis und Wasser eintraf,
ernährten sich die Flüchtlinge
wochenlang nur von Bananen. Und
bis heute war es nur wenigen
NGO´s gelungen, bis nach T.
vorzustoßen.
Beschwerliche Reise ins
Katastrophengebiet
Mit zwei LKWs und zwei
4-Wheel-Pickups machten wir uns
am 16.07.05 auf den Weg, diese
Stadt zu segnen. Schon auf
halber Strecke blieben wir
inmitten einer überfluteten
Straße stecken. Der Wasserstand
war so hoch, dass der Motor
eines der beiden Ford Pickups
ersoff. Maschinenschaden. Wir
waren gezwungen, auf freier Flur
zu übernachten und den Pickup am
nächsten Tag zurückzulassen. So
brauchten wir für die Strecke
von 200 km geschlagene 36
Stunden! Sobald wir am nächsten
Tag in T.angekommen waren,
fingen unsere amerikanischen
Freunde der AoG gleich mit dem
Bau eines semi-permanenten
Schulgebäudes an, das erste
Stahlgebäude überhaupt in diesem
Ort.
Seminare und Comics zur Hilfe
für verwundete Seelen
Ich dagegen hatte zwei
Psychologinnen aus Java
mitgebracht, um die Lehrer
dieses Bezirks in
Trauma-Counselling zu schulen.
Lehrer sind Schlüsselpersonen,
daher sollen sie das Erlernte
und Erlebte später an die
Schüler weitergeben. Es war uns
ein großes Anliegen, diesen
Menschen auch Hilfe für ihre
Seelen zu geben. Natürlich spürt
auch ein traumatisierte Mensch
zuallererst, wenn seine
Grundbedürfnisse (Essen,
Kleidung und ein Dach über dem
Kopf) nicht gedeckt sind. So
fragten uns die Lehrer zuerst
einmal, ob wir auch Schuhe
mitgebracht hätten. Aber als
Esther und Lenny, die beiden
Psychologinnen dann darüber zu
sprechen anfingen, wie man
erkennen kann, ob eine Person
unter Trauma, Depression oder
Stress leidet, da waren alle
Teilnehmer höchst aufmerksam.
Wir gaben den Lehrern auch ein
Werkzeug in die Hand, wie sie
mit ihren Schülern über das
Erlebte reden könnten. Ein Comic
Heft, extra für "Tsunami-Kinder"
produziert, erzählt die
Geschichte von zwei
Geschwistern, welche vor der
Welle davonlaufen können und
sich später auf die Suche nach
ihren Eltern machen. Das Ende
ist offen, denn jeder Leser ist
gefragt, die Geschichte nach
eigenen Vorstellungen zu
beenden. Die Resonanz war
überwältigend. Die Lehrer
weinten beim Lesen der
Geschichte. „Uns muss auch
geholfen werden, sonst können
wir den Kindern auch nicht
helfen!“ sagten sie. So hatten
sie viele Fragen und nahmen alle
Informationen begierig auf.
Zum Abschluss des Seminars
überreichten wir jedem Lehrer
und jeder Lehrerin eine schöne
Tasche und Stoff für eine
Lehreruniform. Wir hatten im
März schon mit VM-Spendengeldern
20 Nähmaschinen an lokale
Schneider verteilen können.
Somit sind sie jetzt auch mit
Aufträgen versorgt.
So konnten wir in zwei Tagen 180
Lehrern und Lehrerinnen
Anleitung geben, wie man
traumatisieren Menschen hilft,
ihnen zuhört und Verständnis
zeigt. Auch besuchten wir 15
Schulen und verteilten über 3000
Comic Hefte.
Unterstützung bei
Existenzsicherung und
Wiederaufbau
In der Stadt M. konnte Frau Ria
durch die Unterstützung der VM
ihren Frisörladen wieder
eröffnen. Voller Stolz erzählte
sie uns dann auch von ihren
ersten Kunden. Der Frau des
Bürgermeisters gaben wir einen
Gutschein für Kopfmassage und
Gesichtsmaske im Salon Ria.
Auch sind wir gerade dabei, in
der Stadt M. zehn
Motorradwerkstätten mit gutem
Werkzeug auszustatten. Die
Werkzeugsets sind schon bestellt
und angeliefert worden.
Die Notfallphase für Aceh, wo es
nur darum ging, Lebensmittel,
Notunterkünfte und medizinische
Hilfe zu den Menschen zu
bringen, ist jetzt schon
abgeschlossen. Die zweite Phase,
nämlich der Wiederaufbau Acehs
wird noch bis zu fünf Jahren
dauern. Wir arbeiten dagegen nun
schon an der dritten Phase, die
wir hier nicht weiter erläutern
können.
Bitte betet für das Volk der
Acehnesen!
Euer Rick
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Lehrerzimmer... 7 Monate nach dem Tsunami war noch nicht einmal ein Schulgebäude errichtet |
mit großer Anteilnahme wurde das Trauma-Seminar aufgenommen |
Der Seminarraum quoll über, aber da der Tsunami die hintere Wand des Klassenzimmers mitgenommen hatte, konnten an einem Tag 150 Lehrer teilnehmen. |

Viele Kinder finden ihre eigene Geschichte in der Erzählung wieder
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Die meisten Christen in Aceh sind Chinesen; in der Stadt M. haben wir deren Kindern geholfen, das Erlebte zu verarbeiten |
Frau Ria aus M, West-Aceh konnte mit Spendenhilfe der VM wieder ihren Frisörsalon eröffnen |
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Verwendungszweck-Angabe für Spenden
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Verwendungszweck-Angabe für Spenden
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