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Und wir bleiben Berufene

„Nieder mit Mr. Winkler, dem Deutschen“. So stand es auf dem Protestplakat, das der längste unserer Heimjungen vor die Fernsehkamera trug. Es war August 2005.

Die Jungen, die wir gehegt und aufgezogen haben, unser Lebenswerk!? Und jetzt so etwas! Gott sei Dank, hatten wir keine Zeit in dem Moment, sentimental zu werden. Harte Arbeit stand bevor. Erst als die Jungen durch Gottes Eingreifen wieder zur Besinnung gekommen waren und die gehen mussten, die sie aus niedrigem, eigenem Machtstreben so irregeführt hatten, können wir nachdenken.

Erst jetzt, wo wir den lange verschobenen Urlaub antreten können, weil die Kinder nach einem langen Prozess der Reue und Reifung in Ordnung sind – jetzt können wir Folgerungen ziehen.

Das Augusterlebnis hat uns neu bewusst gemacht: Wäre das Heim, die Klinik, Schule, Gemeinde unser Lebenswerk, unser Leben könnte jederzeit zerbröckeln wie ein Bauklötzchenturm.

Vor mehr als 40 Jahren lernten wir, Stefan und Maria, einander kennen. Davor wussten wir schon beide, dass Gott uns in seinem Werk haben wollte. Bei Stefan war das ein Resultat seiner tief greifenden Bekehrung, für Maria ein durch die ganze Kindheit und Jugendzeit gewachsenes Bewusstsein. Das Land, in das wir gehen würden und die einzelnen Schritte bis zur Ausreise wurden uns nach und nach in unserer gemeinsamen Zeit klar. Viel davon zeigte uns Gott, während wir gemeinsam beteten. Wir kamen nach Indien. Wir hatten ein Projekt. Wir arbeiteten. In unserem Gebet kam immer wieder zum Ausdruck: „Herr, ohne Dich können wir das nicht.“ Was ist unsere Berufung? Ein Buchschreiber hat es so definiert: „Die Berufung ist Jesu Aufforderung: ,Folge mir nach!‘“

Was wir dann im Gehorsam zu dieser Berufung tun, so wie Heimat verlassen, in ein neues Land gehen, sich neuen körperlichen, seelischen und auch geistlichen Herausforderungen stellen, das ist ein Befolgen der Aufträge, die uns unser Meister gibt, und wir tun das alles natürlich mit Ihm, denn Er ist ja ganz dicht vor uns.

Zu einem Zeitpunkt stand Maria davor, die Klinikarbeit aufzugeben, weil eins unserer Kinder in Not war. Das hätte unserer Berufung – so verstanden – keinen Abbruch getan, denn Maria war zur Nachfolge berufen, und nicht in erster Linie zur Klinikarbeit. Gott hat dann die Not gewendet und dieser Schritt wurde nicht nötig.

Und so verstanden, ist auch das Erziehen unserer Heimkinder nicht unsere Berufung oder unser Werk und deshalb braucht auch in so kritischen Momenten, wie im August nicht alles für uns zusammen brechen. Bei jedem negativen Erlebnis müssen wir natürlich überprüfen, ob und wo wir unsere Verantwortung nicht richtig wahrgenommen haben. Wir müssen Gott erlauben, uns zu korrigieren, während wir in Ehrfurcht vor ihm verweilen.

Und wir bleiben Berufene.

Stefan und Maria Winkler

(Fokus Mission 03/2006)

 


Familie Winkler vor als 40 Jahren

 


... und heute
 

 
 
   
 
     

 

 

 

 

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