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Biographie eines indischen Jungen leprakranker Eltern

R. C. wurde 1961 in einer Leprakolonie Nordindiens geboren. Seine Eltern lebten hier, weil sie die gefürchtete Infektionskrankheit Lepra hatten. Obwohl man an ihren Händen, Füßen und anderen Körperteilen keine großen Verstümmelungen sehen konnte, waren sie verstoßen, für immer gezeichnet und ohne Zukunft! Selbst wenn ihre Krankheit zu einem Stillstand kommen sollte, hätten sie kaum eine Chance auf eine gesellschaftliche und berufliche Wiedereingliederung. Das Stigma würde ihnen und sogar ihren Kindern zeitlebens anhaften. Sie selbst waren Hindus, fanden aber in ihrer Religion wenig Hilfe. So wandten sie sich an christliche Organisationen, hörten von unserem Kinderheim in Rupaidiha und baten um Aufnahme ihres achtjährigen Sohnes R.C. Durch die Velberter Mission wurde eine Patenschaft vermittelt und regelmäßige finanzielle Unterstützung nach Indien gesandt, damit R.C. nicht nur Essen, Trinken und Kleidung hatte, sondern auch eine Schul- und Berufsausbildung bekommen konnte.

R. C. war ein schmaler, schüchterner, kleiner Junge, aber ein guter Schüler. Mit den anderen Jungen unseres Heimes besuchte er die Dorfschule und war in all den Jahren aus dem Hockey- und Cricket-Team nicht mehr wegzudenken. Außerdem war er sehr musikalisch und spielte bald mehrere indische Instrumente. Er begleitete die Lieder während der Andachten im Heim und auch in der Gemeinde. Mit großem Interesse hörte er die biblischen Geschichten und Ostern 1973 bekehrte er sich als 12-Jähriger zu Jesus. In der Schule schaffte er trotz einer Sehschwäche den Realschulabschluss und nach seiner Ausbildung in Pharmazie half er mir in der ambulanten Krankenstation, zu der täglich manchmal mehr als 300 Patienten kamen. 1982 ließ er sich taufen und bekam bald darauf einen Ruf von Gott in den vollzeitigen Dienst. Nach einer 4-jährigen Bibelschulausbildung heiratete er 1991 ein christliches Mädchen, mit der er einen Sohn hat. Zurzeit wohnt er mit seiner Familie in einem Dorf in den Himalajabergen Nordindiens und dient dort dem Herrn unter einem unerreichten Volk der Hindus.

23 Jahre sind es her, seit mein Mann und ich den Missionsdienst in Indien beendet haben und nach Deutschland zurückgekehrt sind. In all diesen Jahren habe ich den Kontakt zu vielen meiner „indischen Jungen“ aufrechterhalten, die jetzt alle schon gestandene Familienväter sind. Über jeden könnte ich ihre bisherige Lebensgeschichte schreiben.

Auch R. C. schreibt uns regelmäßig und oft tauschen wir uns über vergangene Zeiten aus. So schrieb er kürzlich über seine Angst, die er hatte, als er sich als 21-Jähriger ganz dem Herrn weihte. Sein Vater, der zu dem Zeitpunkt ein überzeugter Hindu war, hatte schon ein Hindumädchen für ihn ausgesucht, das er heiraten sollte. Er drohte ihm, sich von ihm abzuwenden, wenn er sich taufen ließe und Christ werden würde. Aber R. C. blieb fest im Glauben an Jesus Christus. Die Bedingungen, unter denen er zurzeit in Indiendem Bergdorf mit vielen Hindutempeln wohnt, sind nicht leicht. Oft muss er sich gegen böse Mächte wehren und manche Krankheitsnöte in dem rauen Klima überwinden.

Für die indischen Jungen in der großen Kinderheimfamilie, mit der wir zusammen auf einem Gelände wohnten, war ich immer die „Auntie“ (Tante) und so sprachen sie mich auch an. Denn viele hatten ja noch ihre Mütter, die allerdings Hunderte von Kilometern weit in den Leprakolonien hausten und die sie selten sahen. Auch R. C. sprach mich bisher in seinen Briefen stets mit „Auntie“ an. Doch kürzlich benutzte er zum ersten Mal das Wort „Mama“ und schrieb: „Du bist doch eine wirkliche Mama für mich und meine Familie. Wir danken Dir für deine Liebe und deine Gebete.“

Für mich ist es die größte Freude zu sehen, dass die Saat zur Frucht gereift ist und wieder Frucht bringt.

 

Verwendungszweck-Angabe für Spenden

Patenschaften Indien 111

 

 

Hildegard Timm

war mit ihrem Mann
23 Jahre als Missionarin
in Indien

(Fokus Mission 05/2008)

 
 
   
 
     

 

 

 

 

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