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Vom Leben im Glashaus

Wie ihr wisst, seid ihr als Christen in eurem Umfeld ja Brief Christi, und jeder der euch sieht,
liest von dem, der in Euch lebt und der Euch Grund zur Hoffnung gibt,
nach 1. Petr. 3,15-16.

Welche Botschaft lebst du vor?

Viele Menschen in deinem Umfeld
lesen die Bibel nicht, wissen nichts oder nur falsches von Jesus, und haben nicht die lebendige Hoffnung, die nur Jesus geben kann. Welche Botschaft lebst du vor, und welchen Jesus kann dein Nachbar oder Arbeitskollege oder Kinder lesen aus deinem Leben? Für uns, in unserem islamischen Lebensumfeld, ist das oft die einzige aber auch die effektivste Verkündigungsform.

Hier ist es die gelebte Liebe, das offene Haus, das Leben nach den Worten Jesu, das von den Menschen gelesen wird. Und es ist wirklich ein Leben in einem Glashaus, bzw. auf einem Präsentierteller.
Jeder sieht voll rein, es gibt keine Geheimnisse, alles ist mehr oder weniger offenbar vor den Augen der Menschen, z.B. dem Wächter, Nachbarn und eigentlich der ganzen Stadt. Und das ist keine geringe Herausforderung. Es heißt, man kann sich eigentlich keinen Schnitzer erlauben.
 

Der Kampf ums Überleben

Nein, das Leben wird erbarmungslos beobachtet. Und unser Volk ist bekannt als Menschen, die einen psychologischen Röntgenblick haben. Jede charakterliche Schwäche wird erkannt und schamlos zum eigenen Vorteil oder zu deinem Nachteil ausgenutzt. Es ist ein hartes Volk, das den Kampf ums Überleben kennt. Schwachheit oder Weichheit ist in der harten Realität des Wüstendaseins ein Übel. Nur der Harte überlebt. Man sieht es an Praktiken wie z.B. bei der Geburt von Zwillingen. Das Starke bleibt bei der Mutter, das Andere wird in eine Astgabel gelegt, bis es von einem Raubvogel oder einer Hyäne geholt wird. Aber nicht unbedingt aus Lieblosigkeit, sondern wegen der Härte der Lebensbedingungen, die der Mutter nur die Kraft gibt, für ein Kind genug Milch zu produzieren.

„Weich“ durch christliche Prägung?

Ich weiß noch sehr gut, als wir ganz neu in unserem Einsatzland waren, war ich „weich“ durch die christliche Prägung und ich war nicht vorbereitet auf ein Volk, das nicht im Entferntesten „christlich“
geprägt ist. Ich traf auf eine unglaubliche Härte und wurde getestet bis aufs Blut. Bei diesem Test fallen so viele Dinge weg, die ich für christlich gehalten habe, aber die es in Wahrheit gar nicht sind.

Weichheit wird manchmal für Liebe gehalten, und ist dennoch nichts anderes als Inkonsequenz. Mein „Ja“ muss zu einem „Ja“ werden und mein „Nein“ zu einem ganz klaren „Nein“! Natürlich musste ich lernen mein „Nein“, kulturell richtig zu verpacken. Ich darf nicht als einer gefunden werden, dem Lüge nachgesagt werden kann, aus Mangel an Konsequenz.

 

Was bewegt mich?

Ich muss lernen, im Kontext großer Leiden und vieler äußerlicher Mängel, nicht von der Not getrieben zu werden, sondern von dem, was Jesus von mir in der jeweiligen Situation möchte. Ich darf aber auch nicht verhärtet werden und mir eine seelisch geistliche Hornhaut wachsen lassen, wo menschliches Leid nur noch dran abprallt und

mich nichts mehr berührt. Jesus war immer noch bewegt von dem einzelnen Schicksal der Menschen, die zu ihm kamen und um Hilfe baten. Wir haben die Gefahr gesehen, dass man hart werden kann und nichts mehr an sich heran lässt und damit emotional unbeteiligt bleibt.

Christlich Leben im Team

Nebenbei sind wir gefordert, ein „christliches Leben“ vorzuleben, dort wo wir als Team zusammenleben. Auf die Gastkultur stellt man sich ein, erlernt sie mit allergrößter Liebe und Hingabe. Das gleiche ist nötig für den Kollegen, der aus dem amerikanischen Kulturraum kommt, oder den Kollegen, der aus einem anderen afrikanischen Land kommt. Das gibt uns die wunderbare Chance vorzuleben, dass Jesus der ist, der die Nationen herausruft in seine Nachfolge.

Wir lassen uns gerne in unser Glashaus schauen

Wir sind noch bis Juli in Deutschland zu unserem Heimataufenthalt, sind unterwegs und berichten von dem, was Jesus unter unserem Volk tut. Wie er Menschen herausruft und mit Liebe umgibt und bewahrt vor den Angriffen des Bösen, dem es gar nicht gefällt, dass Menschen gerettet werden. Vielleicht hast du ja Interesse an einem Bericht in deiner Gemeinde. Wir kommen gerne vorbei und lassen euch teilhaben an dem, was Jesus in einer ganz anderen Ecke des Reiches Gottes tut. Wir wollen uns gerne reinschauen lassen ins Glashaus.


Mit vielen lieben Grüssen,
eure Missionare

 

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Renner 550

(Missionsnachrichten 04/2005)

 
 
 
   
 
     

 

 

 

 

 

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