Während der Predigt ins Taufbecken eingebrochen
Der Prediger ist nun buchstäblich über die Kanzel gesprungen. Er rennt im vollen Galopp durch den Saal und schmettert ein lang gezerrtes „Hälleluhjäääääää…“ Dann nimmt er den Hinterausgang und umrundet das Gemeindehaus in Kasungu zweimal, mit seinem Übersetzer an den Fersen. Nun ist er wieder hinter der Kanzel, tänzelt aber noch wie ein Boxer vor dem Kampf. Er wippt auf den Brettern auf und ab, die unser Taufbecken abdecken. Obwohl sie aus Mahagoni sind, haben die Termiten an ihnen gearbeitet und bevor ich ihn warnen kann, ist Pastor Bill Shultz aus den USA in unserer Gemeinde in Kasungu, Malawi, während der Predigt ins Taufbecken eingebrochen.
Unserer malawischen Gemeinde war ein weißer Pastor aus den USA angekündigt worden, aber so viel Lebendigkeit hätte sie selbst wohl bei ihresgleichen verwundert. Dennoch, oder gerade deswegen, die Leute sind nicht nur begeistert, sondern auch berührt. Viele folgen dem Aufruf zu einer ganzen Hingabe an Jesus.
Seine Herkunft
Pastor Bill kommt aus dem mittleren Teil der Vereinigten Staaten, allerdings mit deutlicher Südprägung. Seine Gemeinde ist nur ein paar Meilen vom Mississippi entfernt und die Versammlungen tragen ganz diesen südlichen Charakter. Der Lobpreis hat ein bisschen Blues an sich, und ein Banjo begleitet die Chorusse. Bill und Diana Shultz haben in der Ortschaft Nebo mit nur 300 Einwohnern eine Gemeinde gegründet, zu der sich 25 Mitglieder zählen. Da die Gemeinde den Pastor nicht tragen kann, arbeitet Bruder Bill während der warmen Jahreszeit als Gärtner, bei der er hauptsächlich den Leuten in der Umgebung den Rasen mäht. Im ersten Beruf hatte Bill Schlachter gelernt und da er nebenbei jagt, sind die vier Kühltruhen im Haus nie ganz leer. Er ist kein gewöhnlicher Jäger, sondern pirscht mit Pfeil und Bogen durchs Gehölz. Seine Jägergeschichten werden von unserem afrikanischen Publikum aufgesogen. Nachdem Bill einmal ein solches Jagdbeispiel eingeflochten hatte, deutete mir mein malawischer Nebenmann ehrfurchtsvoll, „Er ist ein großer Jäger, so wie unsere Großväter.“
Von Mitleid zur Strategie
Es gibt in dem Teil, wo Bruder Bill zu Hause ist, keine schwarzen US-Amerikaner.
Vor seiner ersten Reise zu uns hatte er von Afrika ein ganz überzeichnetes Bild.
So kaufte er dem erstbesten „armen“ Afrikaner aus lauter Mitleid gleich einen
Laib Brot. Das war ein Zollbeamter am Flughafen Nairobi. Die Hälfte seiner 60 kg
Reisegepäck bestand aus Bonbons. Bald nach seiner Ankunft bat er mich, ihn
durchs Elendsviertel hier zu fahren. Dort angekommen, kurbelte er plötzlich das
Fenster herunter und warf während der |
Fahrt den Leuten die Bonbons vor die Füße, dabei ausrufend, „Jesus loves you.“ Ich weiß nicht, was die Afrikaner gedacht haben, kann mich aber noch gut an meine Gedanken dabei erinnern … Es ist nicht bei diesem ersten Besuch geblieben – und Bill ist durch seine Erfahrungen hier auch nicht derselbe geblieben. Noch beim zweiten Besuch hatte er, „voller Mitleid“ sein ganzes Geld zwei Wochen vor Abreise verschenkt. Danach wurde er allerdings reifer, auch durch enttäuschende Erfahrungen, bei denen er trotzdem seine Missionsgesinnung behielt. Mittlerweile arbeiten wir so, dass sich nach seiner Ankunft ein Gremium aus den Gemeinden trifft und dann mit den Afrikanern zusammen entschieden wird, wo wir die Mittel am besten einsetzen. Dadurch konnten wir zum Beispiel in diesem Jahr erstmalig einen Fond für unsere sechs Pastorenwitwen einrichten, denen dadurch tatkräftig geholfen wurde.
Einmaliger Einsatz
Bills Einsatz und Missionseifer sind einmalig. Seit fünf Jahren verbringt er seinen ‘Urlaub’ hier bei uns. Während dieser Zeit baut er im Durchschnitt zwei Gemeindehäuser. Gewöhnlich hat die Ortsgemeinde die Ziegel gebrannt und das Fundament gegossen. Bill wird dann mit einigen örtlichen Bauleuten die Wände hochziehen und das Dach aufsetzen. Auf diese Weise sind in den letzten Jahren zehn Gemeinde bzw. Pastorenhäuser erstellt worden. Bill selbst legt bei allem Hand an und achtet auch stets darauf, dass der Dachstuhl stark genug ist, um ihn selbst während der Bauphase zu tragen. Tatsächlich hat es in den letzten Jahren Hungersnöte in Malawi gegeben und viele Notleidende haben durch Bills Dienst, wie auch durch die Velberter Mission, Mais, Reis und Kleidung bekommen. In den ersten Jahren opferte Bill einiges, um solche Missionsreisen möglich zu machen. Er bezahlte alle Flüge selbst. Die beiden Kinder, Nathan und Christina, halfen mit ihren Ersparnissen. Die Gelder, die hier für den Gemeindebau gebraucht wurden, hatte Bill durch sein Rasenmähen verdient. Nach der dritten Reise fingen andere an, diese Art von Missionseinsatz zu unterstützen und in diesem Jahr, auf seiner sechsten Reise nach Malawi, konnten wir soviel Hilfsgüter verteilen wie nie zuvor.
Selbst am meisten beschenkt
Bill selbst wird bei allem wohl am meisten beschenkt. Auf jeder Reise bekehren sich etliche Menschen zu Jesus, auch von Heilungen können wir berichten. Im Februar dieses Jahres entschied sich ein junger Mann schon für Jesus, während Bill und Diana auf ihren Abflug in St. Louis, USA, warteten und ihn dort zufällig kennen lernten. Die Gemeindemitglieder in Nebo sind Feuer und Flamme für Mission. Sie arbeiten eifrig an jeder Ausreise ihres Pastors mit, und sind ebenso gespannt auf seine Rückkehr und den Bericht von dem, was durch des Herrn Hilfe hier in Malawi getan werden konnte. Brother Bill ist ein nachahmenswertes Beispiel!
Ulf Strohbehn
|