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„So viel Geld haben wir für den Marabu ausgegeben, und auch ein Schaf haben wir geopfert, aber sie ist trotzdem gestorben!“ Als wir letztes Jahr aus dem Urlaub nach Gao zurückkamen, war unsere liebenswerte Nachbarin gestorben.
Die Songhai im Nordosten Malis sind sehr opferbereit, besonders zu Festen (Hoffnung auf Sündenvergebung), bei Krankheit und Tod. Das steckt tief in ihrer Kultur. Schon vor dem Kommen des Islam vor 500 Jahren opferten sie, hatten Fetische und betrieben Zauberei. Grund ist oft die Angst vor Flüchen und Aberglaube. Zurzeit übersetzen wir das dritte Buch Mose. Vieles aus dem Opfersystem ist den Songhai nicht fremd, und wir glauben, dass es ihnen bei dem Verständnis des einmaligen Opfers Jesu helfen wird und die Angst nimmt.
Neulich gab es eine Übersetzungsnuss zu knacken: In 3. Mose
4,3 steht, dass der
Priester dem HERRN einen
jungen, fehlerlosen
Stier als Opfer für
seine Sünden darbringen
soll. Wie übersetzt man
„dem HERRN Opfer
darbringen“ in Songhai? |

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Noch ein paar Nüsse, die geknackt werden mussten
Schwere Brocken, die das Leben versüßen: Man hat schon mal kräftig zu beißen und manchmal zu lachen, wenn man die Bibel in Songhai übersetzt. Zum Beispiel wollten wir „das Wasser der Meere“ in 1. Mo 1,22 übersetzen und schlugen „teekey
haroo“ vor. „Meere“ gibt es aber nicht im Plural, sonst würde es „die Täter“ bedeuten. Wir konnten ja schlecht „das Wasser der Täter“ daraus machen, also übersetzten wir es mit „die Wasser des Meeres“. Ähnlich ging es uns bei der „Gabe Gottes“ in Joh. 4,10: Es mit „Irkoy nooroo“ zu übersetzen ist zwar nicht falsch, lässt aber sogleich an „das Geld Gottes“ denken, da „nooroo“ beides bedeutet. So haben wir es umschrieben mit den Worten „dass, was Gott gegeben hat“. Im Songhai haben sehr viele Wörter mehrere Bedeutungen. Das spart zwar Worte, aber nicht Arbeit...

Es regnet Gelächter: Bei der Rückübersetzung des Matthäusevangeliums mit dem Computer haben wir noch lustige Tippfehler gefunden, z.B. hieß es in Matth.14,19 nicht: „und dankte“ (Jesus bei der Brotvermehrung), sondern „und kündigte Neuigkeiten an“ (albarka oder alhabar). In Matth. 14,2 sprach Herodes nicht zu seinen Dienern, sondern zu seinen Schuhen (tamey bzw. taamey)! „Nur Mut“ heißt übrigens auf Songhai: „mach Herz“. Der Wind weht nicht und das Radio spielt
nicht, sondern er/es „weint“. Um das Radio auszuschalten, muss man es „töten“. |
Als Deutsche hätten wir vielleicht eher Probleme mit dem Opfer selbst, die Songhai dagegen gar nicht. Jedoch überraschte uns ihr Sprachgebrauch in doppelter Hinsicht. Erstens: Opfer bringt man nicht dar, auch nicht auf einem Altar, sondern man entnimmt sie (dem eigenen Besitz). Zweitens: Ein Opfer gilt Gott. Der bleibt aber immer unerwähnt. Wird hingegen derjenige erwähnt, für den das Opfer bestimmt ist, ist dies eigentlich immer ein Mensch oder ein Anlass.
Was tut man jedoch nun, wenn in einem Vers der HERR als Adressat des Opfers erwähnt wird? Dann würde der Leser leicht denken, es handele sich hier um jemand, nicht um Gott selbst, da ja dessen Erwähnung unüblich ist. Dieser falsche Eindruck wird an den Stellen noch verstärkt, wo der verwendete Gottesname nicht sehr geläufig ist. Man könnte jetzt, wie einige Übersetzungen es tun, einfach den HERRN unterschlagen. Dann hätten wir die Nuss aber ungeknackt heruntergeschluckt. Nach langem Testen und Überlegen haben wir uns entschieden, bei Erwähnung
des Gottesnamens ein anderes Verb zu benutzen, nämlich zum Opfer machen, statt als Opfer entnehmen. Das hat zwei Vorteile: Wir können den HERRN erwähnen. Außerdem wird er nicht mit einem Menschen verwechselt. Der Einsatz des Nussknackers hat sich gelohnt!
Wir beten, dass die geknackte Nuss gegessen und verdaut wird, dass die Angst dem Vertrauen auf Jesu stellvertretendes Opfer weicht.
Und ihr dürft mitbeten, dass die vier Evangelien bald gedruckt werden können, dass ch
lernt und für unsere neue Kollegin Greta Woods, die den Songhai Lesen und Schreiben beibringen möchte.
Matthias & Tanja Liebrecht 
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