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Chimoio, den 30.05.2007

Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken;
denn er ist treu, der sie verheißen hat. (Hebräer 10,23)

Liebe Missionsfreunde,

herzlich grüßen wir Euch aus dem staubigen Mosambik. Wir erfreuen uns an den milden Sonnenstrahlen und den kühlen Nächten. Aber wie es so ist, dass der Mensch immer was am Wetter auszusetzen hat, meckern auch wir hin und wieder über die Trockenheit, die den Staub durch alle Ritzen in unser Haus treibt.

Am 29. April waren Thomas und ich in einer Gemeinde außerhalb Chimoios, in der wir den Staub aus unseren Bibeln und aus unseren Augen reiben mussten und uns manchmal fast die Luft wegblieb, wenn er von der Seite in unsere Nasen wehte. Der Grund dafür war, dass die kleine Lehmkapelle durch den letzten Sturm und die starken Regenfälle völlig zerstört worden war. Das Dach konnte windschiefer nicht sein, und die Seitenwände waren teilweise bis auf den Boden zerbröckelt, sodass es kaum noch Schutz vor dem Wind gab.

Der Gottesdienstbesuch war nicht weniger entmutigend: ein paar Kinder bei unserer Ankunft, die verschnupft und fröstelnd in ihren dünnen Kleidern unschlüssig herumstanden und uns beäugten. Es dauerte fast eine Stunde, bis ein paar mehr (einschließlich des Gemeindeleiters) eintrudelten und sich für den Gottesdienst warmsangen und -tanzten. Während des Gottesdienstes wurde ich so traurig wie nie zuvor in einem afrikanischen Gottesdienst. Hier war Resignation und Gleichgültigkeit zu spüren. Trotzdem hörten sie bei der Predigt gut zu und verfolgten aufmerksam Thomas' Rollenspiel von den Arbeitern im Weinberg. Beim Aufruf kamen wie immer viele nach vorn. Als wir nach dem Gottesdienst von der Gemeindeleitung zum Essen eingeladen waren, sprachen wir über die Gemeindesituation und ermutigten die Brüder, als ein gutes Beispiel voranzugehen und nach Wegen zu suchen, das Gemeindehaus gemeinsam wieder aufzubauen. Nun hoffen wir, dass sie unsern Rat befolgen.

Vorletzten Sonntag hat Thomas allein noch eine andere kleine Buschgemeinde besucht, deren winzige Kapelle auch unter den Regenfällen gelitten hat. Dort war jedoch eine andere Atmosphäre, was man schon daran merkte, dass sie provisorisch ihr "Kapellchen" renoviert hatten. Als Thomas sich verabschiedete, bekam er einen Berg an Gemüse und Obst geschenkt.

Diese Erlebnisse zeigen uns, wie wichtig nicht nur die Evangelisation der Menschen ist, sondern die Stärkung und Bildung der Leiter- und Mitarbeiterschaft. Ohne einen Pastor, der als geistliches Vorbild vorangeht und die Gemeinde motiviert, kann kein Wachstum geschehen. Und ohne eine Bruderschaft zwischen den einheimischen Pastoren und deren Zusammenarbeit in einem hiesigen Gemeindebund wäre auch unsere Missionsarbeit sinnlos, denn eine isolierte Gemeinde mit einem "Einzelkämpferpastor" hat wenig Kraft. Sie läuft Gefahr, sich zu verirren oder zu fallen, ohne dass einer da ist, der sie wieder aufrichtet. Als Christen sind wir eine Familie und brauchen einander. Darum sind wir auch so dankbar für unsere Velberter Mission. Sie steht hinter uns, indem sie uns versorgt, für uns betet, unseren Dienst durch missionserfahrene Leiter begleitet und berät. Nicht zuletzt fühlen wir uns durch sie mit vielen anderen Missionaren in der ganzen Welt verbunden.

Um die Pastoren und Mitarbeiter unseres Gemeindebundes (Assemblies of God) für ihren Dienst auszurüsten, gibt es hier in Chimoio eine kleine Abendbibelschule, die unser befreundeter Missionar aus Argentinien vor zwei Jahren gegründet hat. Aus unserem Missionarshauskreis stellten sich schon manche zur Verfügung, um in der Bibelschule mit verschiedenen Bibelkursen mitzuhelfen, und im Moment gibt auch Thomas einen Kurs. Wie dringend die geistlichen Leiter in Mosambik Lehre brauchen, stellte Thomas bei verschiedenen Fragen ihrerseits fest. Jemand fragte, ob es Sünde sei, wenn man die Dosen, die beim Verkauf als Maß für bestimmte Nahrungsmittel dienen, heimlich oben abschneidet und somit das Maß verkleinert, während man denselben Preis verlangt. Natürlich ist das Betrug. Ein anderer wollte wissen, ob er neben seiner Gemeindearbeit ein Video-Kino betreiben darf, um seinen Lohn aufzubessern. Da ist guter Rat teuer. Ist es gut, als verantwortlicher Mitarbeiter in der Öffentlichkeit zweifelhafte Filme zu zeigen und damit Geld zu verdienen? Kann er es verantworten, wenn sich die Zuschauer während der Veranstaltungen betrinken? Auf diese Weise bekommen wir natürlich immer mehr Einblick in das Denken und Handeln der Leute und können gezielter predigen.

Seit März helfe ich in zwei Gemeinden, Mitarbeiter für die Sonntagsschule / Kinderstunde zu schulen. Ich habe einen Einstiegskurs gegeben und dabei auch viele Ideen einfließen lassen, wie man mit kostenlosem Material wie z.B. Klopapierrollen oder alten Putzlappen anschauliche Kinderstundenlektionen fabrizieren kann. Da in den Buschgemeinden selbst Flanellbilder unbekannt und Bilderbücher ein unerschwinglicher Luxus sind, muss man versuchen, das Evangelium mit ein bisschen Fantasie den Kindern nahe zu bringen und die Mitarbeiter darin zu motivieren. Es war zu schön, die Kursteilnehmer zu beobachten, während sie Klopapierrollen durch Bemalen in biblische Figuren verwandelten oder mit Eifer Papierschiffchen falteten. In der Stadt sieht die Situation etwas anders aus, und wir können auch Material anwenden, das etwas kostet (buntes Papier, Fotokopien mit Malbildern etc.), da die Gemeinde in der Lage ist, solche Kosten in begrenztem Maße aufzubringen. An Ostern habe ich für die Kinder unserer Gemeinde einen großen Hefezopf gebacken und damit die Geschichte der Emmausjünger veranschaulicht. Obwohl die Arbeit mit Kindern viel Mühe macht und man immer Gefahr läuft, sich bei dem engen Kontakt Läuse zu holen, macht sie viel Freude, und wir sind dankbar für jeden, der sich für diesen Dienst begeistern lässt, so wie die beiden Teenies Sádia und Helder, die sich von Anfang an in unserer Sonntagsschulgruppe mit eingesetzt haben und den Kindern viel Liebe zeigen.

Ende März hatten wir Besuch von drei Bibelschülern der Bibelschule Beröa: Torben, Damaris und Nicole. (siehe Bericht) Sie hatten ein Praktikum in Malawi gemacht und sollten zum Schluss auch noch unsere Arbeit kennen lernen. Wir hatten uns sehr auf ihren Besuch gefreut und wollten ein paar Fahrten mit ihnen unternehmen. Doch wurden unsere Pläne durchkreuzt: alle drei und dann auch noch Thomas, Benjamin und Annika wurden krank, teilweise Malaria. Das war sehr schade, aber wir konnten die Zeit für so manche gute Gespräche nutzen. Die Gemeinschaft mit ihnen war jedenfalls sehr schön, und wir hoffen, dass ihnen die Mission durch die Begegnung mit den netten tropischen Krankheitserregern nicht vergrault wurde ;-)) Obwohl es noch viel zu erzählen gäbe von unserem Arbeiterfest in Moyo Mucuru, von gestohlenen Eternitplatten und von dem Tag, an dem Thomas und ich dem Präsidenten von Mosambik die Hand schütteln durften, wollen wir das fürs nächste Mal aufbewahren.

Bis dahin wünschen wir Euch Gottes Gnade und Frieden durch Jesus
Christus, unsern Herrn!

Thomas, Ruth, Benjamin und Annika Halstenberg


 

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