VM-Bericht vom 19.01.2005:
Liebe Freunde,
seit unserem letzten Bericht sind einige Tage vergangen. Unsere Mitarbeiter waren und
sind unermüdlich im Einsatz, um zu helfen und Möglichkeiten zur langfristigen
Hilfe vorzubereiten.
Unser Mitarbeiter Boris bedankt sich herzlich für alle Gebete um Segen und
Schutz bei seiner Reise nach Nias.
Bericht aus Nias
Nias, westlich von Nord-Sumatra, wurde schon vor langer Zeit christianisiert.
Allerdings sind echte Lebensveränderungen eher selten zu beobachten. Es gibt im ganzen
Nias-Gebiet viel Animismus und viele sind in irgendeiner Art von Süchten
verstrickt.
Nias gilt als einer der ärmsten Gegenden Indonesiens und hat eine unglaublich
schlechte Infrastruktur. miserable Straßen, in Großteilen kein Telefonnetz und
kaum ärztliche Versorgung (da meistens auch nicht bezahlbar).
Auf seiner Reise nach Nias traf Boris Bekannte, die gerade einen Transport nach
Nias zusammenstellten. Sie hatten Kleidung und Lebensmittel von der Bevölkerung
gesammelt, um sie in die betroffenen Gebiete zu bringen. Für Medizin und Reis
hatten sie kein Geld. Die komplette Reise war schon organisiert. So konnte Boris die
nötigen Materialien kaufen und per Schiff, Bus und LKW ins Zielgebiet bringen.
In Nias sind bei weitem nicht so viele Leute gestorben wie in Aceh.
Mittlerweile gibt es wieder ausreichend Versorgung, so dass die Menschen nicht hungern müssen. Sie
haben auch zumindest ein Zeltdach über dem Kopf.
Es wurden einige Flüchtlingslager eingerichtet, und in medizinischen Zentren
kann man ärztlich versorgt werden. Aber nicht alle Leute sind in diesen Lagern. Einige
sind bei Verwandten untergekommen oder versuchen wieder etwas aufzubauen.
In Nias sind 3 Gebiete betroffen:
Im Hafenort Sirombo wurden die meisten Häuser zerstört oder beschädigt.
Ein erfahrener Einwohner hat die Menschen vor der Welle gewarnt und viele sind
ins Hinterland geflüchtet. Der Hafen, der Weg zum Hafen und die meisten Boote, die
zum fischen gebraucht werden sind zerstört.
Hinako Inseln (8 Inseln) wurden nach Aussagen Einheimischer ca. 1m hoch
überflutet. Wie durch ein Wunder ist dort niemand gestorben, da sich der
Wasserspiegel bis über die Insel erhob und dann wieder sank. Viele Boote sind
jedoch weg. Und die Hauptversorgung zum Hafen nach Sirombo gibt es nur noch spärlich.
Da den Leuten das Essen ausging haben wir ihnen vor allen Dingen Lebensmittel
(Reis) und auch Medizin geschickt.
Am schlimmsten betroffen war Mendrehe. Alle Dörfer in Strandnähe sind
verschwunden. Es ist ein riesiger Sumpf. Es gibt viele Massengräber, und viele
Leichen wurden nicht mehr gefunden. Ein Teil der angebauten Kokus- und Kautschukwälder
sind zerstört. Ein Pastor mit seinem Kind ist gestorben. Er wollte nach der
Predigt gerade nach Hause gehen. Man ist sich nicht sicher wo die Orte wieder
aufgebaut werden sollen.
Die Menschen
Obwohl die Menschen einen anlachen, machen viele einen hoffnungslosen und
eingeschüchterten Eindruck. Die Heimat, wie man sie kennt, existiert nicht
mehr. Die unmittelbare Hilfe ist gewährleistet, aber nun muss man Straßen, Häuser, und
Schulen wieder aufbauen. Es werden Boote gebraucht, um Einkommen und Versorgung zu sichern.
Nachdem unser Mitarbeiter für ein krankes Kind gebetet hatte, wurden Menschen
mit allen möglichen Nöten, Süchten, Krankheiten und Ängsten gebracht, um Rat zu
holen.
Die Menschen sind nun wachgerüttelt.
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