Geschichte der VM:
Die Verlorenen suchen
Die Geschichte der Velberter Mission zusammengestellt von Helmut Timm
Die Geschichte der Velberter Mission umfasst die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts und den Beginn des neuen Jahrtausends. Das ist ein recht langer Zeitabschnitt, den nur noch wenige aus persönlicher Erfahrung kennen. Darum ein kurzer Überblick über fünf Jahrzehnte, denn:
"Es gibt keine Gegenwart ohne Vergangenheit. Wer über das Gestern Bescheid weiß, kennt sich im Heute besser aus und ist gerüstet für das Morgen!"
1954-1963: Das Jahrzehnt der Anfänge
Der Name "Velberter Mission" (VM) hängt mit der Kleinstadt Velbert im Rheinland zusammen. Anfänglich war es nämlich tatsächlich nur eine Mission der Velberter, denn die im Jahre 1908 entstandene Pfingstgemeinde in Velbert war von Anfang an eine Missionsgemeinde, weil sie schon zu dieser Zeit ihre eigenen Missionare in China betreute. Aber es wurde schließlich auch eine Mission der Arbeitsgemeinschaft der Christengemeinden in Deutschland (ACD), die sich im Jahre 1947 formiert hatte. Am 18.11.1952 verabschiedete die ACD-Konferenz eine Vereinbarung zwischen der Velberter Gemeinde und dem Vorstand der ACD, welche u. a. aussagt, dass die Gemeinde Velbert als "Vorpostengemeinde" der Mission für alle Gemeinden dieser Pfingstbewegung in Deutschland angesehen wird. Diese Vereinbarung führte schließlich dazu, dass die Velberter Mission am 17.11.1954 ins Vereinsregister des Amtsgerichts in Velbert eingetragen wurde.
In der damaligen Nachkriegszeit waren die Anfänge nicht gerade einfach. Deutsche Missionare waren nicht sehr gefragt, und die Gemeinden waren zu sehr mit ihrem eigenen Aufbau beschäftigt, als dass sie ihre wenigen Reichsgottesarbeiter auch noch für die Außenmission hätten abstellen können. Man blieb aber nicht untätig. Durch Verbindungen nach Indien wurden dort zunächst einheimische Evangelisten finanziell unterstützt. Im Jahr 1958 war es endlich so weit - die Suche nach eigenen Einsatzgebieten war erfolgreich. In Zusammenarbeit mit der Apostolic Faith Mission wurde Samuel Wilschewski als erster deutscher Missionar der VM nach Namibia/Afrika ausgesandt. In den folgenden Jahren gingen drei weitere Missionare in den Süden Afrikas, nämlich Elise Metzke, Heinrich Wendland und Auguste Kuss. Im Jahre 1962 öffnete sich die Tür auch in Indien. Helmut & Hildegard Timm waren hier die ersten Missionare der VM. Der Anfang war geschafft.
1964-1973: Das Jahrzehnt des Aufbruchs
In Deutschland fangen nun immer mehr Gemeinden Feuer und bekommen eine Liebe für die Weltmission. Die jährlichen Missions-Osterkonferenzen, die nun abwechselnd in Velbert und in Duisburg stattfinden, werden von bis zu 1800 Missionsfreunden besucht. Die gute Zusammenarbeit zwischen dem Vorsitzenden der ACD, Erwin Lorenz, und dem Leiter der VM, Gottfried Starr, die sich schon früher vehement für die Gründung der VM eingesetzt hatten, wirkt sich segensreich für die weitere Arbeit der Mission aus.
Es herrscht Aufbruchstimmung. Die Bitte an den Herrn der Ernte um weitere Arbeiter wird erhört. In den folgenden zehn Jahren werden 20 neue Missionare ausgesandt: Samuel & Gertrud Hoffmann nach Nigeria, Eduard & Ursula Wendland nach Malawi, Robert & Hildegard Franz, Traugott & Christina Hartmann und Bernd & Doris Ewert nach Sambia, Reinhard & Anni Bonnke, Wolfgang & Birthe Kleischmann und Bernd & Helga Wenzel nach Lesotho, Gerhard & Hildegard Zornow nach Peru, Stefan & Maria Winkler nach Indien. Je nach Berufung und Notwendigkeit predigen sie in Zeltevangelisationen, gründen neue Gemeinden, lehren in Bibelschulen, versorgen die Kranken in Kliniken, bauen Gemeindehäuser, unterstützen einheimische Pionierarbeiter, betreuen Jugendliche in Kinderheimen, leisten Hungerhilfe usw.
1974-1983: Das Jahrzehnt der Stabilisierung
In den folgenden Jahren findet der erste Wechsel in der Leitung der Velberter Mission statt, denn Gottfried Starr gibt nach 22 Jahren den Stab an Alfred Koschorreck weiter. Er, zusammen mit den anderen Vorstandsmitgliedern, die aus ehrenamtlichen Mitarbeitern und hauptamtlichen Pastoren bestehen, trägt die Hauptlast der Verantwortung für das stetig wachsende Werk. Einige Missionsgebiete müssen bereist, Krisen bewältigt, Seelsorge geübt und Missverständnisse zwischen Missionaren und Einheimischen aus dem Weg geräumt werden. Hilfe kommt durch die Berufung so genannter Regionalvertreter. In Anlehnung an die 1981 erfolgte regionale Aufteilung der ACD,
die 1982 den Namen Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP) annimmt, werden sie Kontaktpersonen zwischen den Gemeinden, den Missionaren und der Missionsleitung.
Auch die Verwaltungsarbeit wird immer umfangreicher. Obwohl auch die Räumlichkeiten der Velberter Gemeinde für Versammlungen und Sitzungen mitbenutzt werden können, werden nun eigene Büroräume notwendig. Die Hilfe kommt in Form von zwei geschenkten kleinen Häusern von lieben Missionsfreunden. Hierfür wird ein großes Haus auf der Kollwitzstraße erworben, und dieses Missionshaus erfüllt zunächst alle Bedürfnisse der sich nun stabilisierenden Arbeit. Die VM hat sich in Deutschland mittlerweile großes Vertrauen erworben, so dass ihr auch ein Alten- und Pflegeheim in Heilbronn anvertraut wird.
Auch die verschiedenen Missionsfelder bekommen Verstärkung: Siegfried & Monika Bongartz gehen nach Malawi, Gerhard & Anni Fick nach Peru, Ingetraud Sitzenstock und Helmut & Esther Reutter nach Sambia.
1984-1993: Das Jahrzehnt der Partnerschaften
Im Jahr 1984 wird eine Festschrift zum 30jährigen Bestehen der VM herausgegeben. Sie vermittelt den Eindruck eines erwartungsvollen Nach-vorne-Blickens. Da ist kaum Zeit für ein Innehalten und besinnliches Zurückschauen. "Vorwärts" heißt die Devise bei den einzelnen Autoren der Festschrift.
Es geht darum, das Reich Gottes zu bauen (Reinhold Ulonska), die Ernte einzubringen (Ulrich Heuwold), es geht um noch größeren Einsatz und intensiveres Gebet (Robert Franz). Diese Worte drücken am besten das Selbstverständnis der VM aus, die sich als eine typische Pfingstmission versteht.
Der Trägerkreis rekrutiert sich hauptsächlich aus den BFP-Gemeinden. Mit einigen von ihnen werden nun verbindliche Partnerschaften eingegangen. Man merkt, dass viele Vorhaben ohne weitere Hilfe nicht geschehen können. Mit den pfingstlichen Freien Christengemeinden in Österreich beginnt schon im Jahr 1969 die Zusammenarbeit. Sie unterstützten in den folgenden Jahren deutsche Missionare in Indien und Sambia. Im Dachverband Evangelisches Missionswerk (EMW) wird die VM 1977 Vereinbarungspartner. Mit der Volksmission (VMeC) wird 1992 die Bundeskonferenz des BFP gemeinsam gestaltet. Sie steht unter dem Thema "Unsere Verantwortung in der Weltmission". Auch zur
Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM) werden brüderliche Verbindungen gepflegt.
Das Erscheinungsbild der Missionsnachrichten wird Anfang 1992 durch ein modernisiertes Layout und ein neues Motto aktualisiert. Im selben Jahr scheidet Hans Ditthardt aus dem Vorstand der VM aus, dem er seit ihrer Gründung ununterbrochen angehörte. Er war ein Mann der zweiten Reihe und wurde liebevoll "Mr. Mission" genannt, denn seine Liebe zur Mission war beispielhaft. Die oben erwähnten Missionsnachrichten und die Geschicke der VM hat er 38 Jahre lang entscheidend mitgestaltet. Er steht hier als Beispiel für viele andere ehrenamtliche Mitarbeiter(innen) aus der Gemeinde Velbert. Oskar Decker, Alfred Kampf, Gerd Nebel und Ulrich Heuwold, von denen die drei letztgenannten alle in diesem Jahrzehnt aus dem Vorstand ausscheiden, müssen hier genannt werden.
1994-2004: Das Jahrzehnt neuer Herausforderungen
Durch die Verbindung zur Lausanner Bewegung und Teilnahme am Internationalen Kongress für Weltevangelisation in Manila ergeben sich neue Perspektiven. Die VM befasst sich verstärkt mit dem Thema "Unerreichte Volksgruppen". Gemeinsam mit ihren Missionaren forschen sie nach, in welche unerreichten Völker sie hineinwirken können. Schon auf der BFP-Konferenz im Jahr 1992 rückt das Thema "Mission in der Welt des Islam" in den Blickpunkt und die Bürde wird noch größer, diese unerreichten Menschen zu gewinnen.
Ab jetzt geht es Schlag auf Schlag. 1994 arbeiten bereits mehrere Missionare im Nahen Osten. Im selben Jahr reist eine Missionarin nach Ostasien. 1995 wird ein Bibelübersetzer in eine muslimische Volksgruppe nach Mali gesandt, 1997 reist ein weiteres Ehepaar in den Nahen Osten, um die Kurden zu erreichen. Seit 1998 arbeiten zwei junge Frauen in Südasien unter der unerreichten Volksgruppe der Sikhs, 1999 wird ein Ehepaar zu den Somalis gesandt, 2002 ein Ehepaar nach Nordafrika und 2003 zwei Ehepaare nach Südostasien, um dort das Volk der Panenan zu gewinnen.
Im Jahre 2002 findet wieder ein Stabwechsel in der Leitung der VM statt. Das unzertrennbare Duo Helmut Timm (Leiter) und Gerhard Uphoff (stellv. Leiter) übergibt nach 17 Jahren die Verantwortung an den Malawi-Missionar Siegfried Bongartz (Leiter) und Pastor Heinz Krebs (stellv. Leiter), welche die weiteren Herausforderungen der kommenden Jahre gerne annehmen. Im Mai 2004 feiert die Velberter Mission ihr 50jähriges Jubiläum. Zu dieser Zeit sind in 17 Ländern 38 Missionare tätig, unter ihnen vier so genannte "Oldtimer", die schon 32 Jahre im Dienste der VM stehen. Fünf Missionskandidaten bereiten sich auf die Ausreise vor.
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