Abgesehen von großen kulturellen Unterschieden,
muss die Motivation überprüft werden: sucht man einen
Ausweg aus der Einsamkeit oder ist dies tatsächlich
Gottes Führung?
Ein gutes Maß an Zurückhaltung steht einem in
anderen Kulturen sowieso gut und öffnet die Türen.
Unser erster Vermieter in Südasien war sehr angetan von
uns: „Ihr habt gar keine Männerbesuche, feiert keine
Partys und ihr trinkt nicht!“ Vertrauen muss man sich
verdienen, denn das Bild vom westlichen Lebensstil ist
oft mit Unmoral verbunden. So ist es nur von Vorteil,
sich angemessen dezent zu kleiden und auch bei 45
Grad in der Sonne auf Spaghettiträger und Sonnenbaden
auf dem Balkon zu verzichten (es sei denn, er ist
blickgeschützt oder man arbeitet in einer Kultur, die
westlich geprägt ist).
Im Umgang mit dem anderen Geschlecht ist große
Zurückhaltung angesagt. In Südasien z.B. schickt es sich
nicht, einem Mann bei einem Gespräch in die Augen zu
sehen, zumindest nicht länger. Das kann ganz furchtbar
falsch verstanden werden.
Nach Feierabend: Freizeitgestaltung kann in diesen
Ländern etwas schwierig sein, denn es ist oft nicht
üblich, dass man abends ausgeht, schon gar nicht als
allein stehende Frau. Eigentlich geht man als Frau
kaum ohne den Ehemann oder einen Verwandten
irgendwo hin, höchstens zur Arbeit. Wer also gewohnt
ist, allein zu reisen oder spazieren zu gehen, muss sich
umstellen. Deshalb ist es natürlich gut, wenn man nicht
allein dort arbeitet, sondern im Team. Dadurch hat man
mehr Möglichkeiten und auch einen Schutzraum. Es
kann auch einfach viel zu gefährlich sein, allein abends
unterwegs zu sein. Es ist also von großem Vorteil,
zu zweit oder in einem mehrköpfigen Team zu
sein. Dann kann man auch einmal ausgehen,
z.B. zum Essen.
Was man so alles erleben kann: Man
erlebt auch mehr oder weniger lustige Dinge.
In Missionsländern kann man plötzlich
als Heiratskandidat/in gelten. So hätte
mich in Afrika gern jemand geheiratet,
der fand, dass ich als Vegetarierin doch
recht billig in der Haltung wäre und er
sich das gerade noch leisten könne.
Natürlich hatte er mich nicht selbst
gefragt, sondern sich, wie es dort
üblich ist, eine Vermittlungsperson
ausgesucht,
um schon mal die Lage zu sondieren. | In Südasien wurden wir einmal gefragt,
ob wir so etwas wie Nonnen wären, die nicht heiraten
dürften.
Eine Sprachlehrerin meinte, dass, wenn ich meine
grauen Haare wegfärben würde, ich durchaus noch
Chancen hätte….
In all dem muss man „glücklicher Single“ sein, um
die Fragen oder Bemerkungen nicht übel zu nehmen.
Und man würde auch sonst, angesichts der Verheirateten
um einen herum, depressiv.
Eine gesunde Single-Seele: Will man als Single in
die Mission gehen, ist es gut, mit einem „aufgeräumten“
Herzen zu gehen. Wer hofft, dass sich seine Probleme
in einer anderen Umgebung in Nichts auflösen, wird
enttäuscht werden. Sie verstärken sich Gewöhnlicherweise.
Dazu kommt, dass man dort nicht unbedingt
einen Seelsorger zur Verfügung hat und als Single eben
auch keinen Ehepartner, mit dem man sich austauschen
kann. Eine einsame Seele wird sich noch einsamer
fühlen und eine bittere wird noch verbitterter. Aber ein
Single, der gelernt hat, mit seinem Gott über Mauern
zu springen, wird in der Mission glücklich. Es ist ein
Vorrecht, all seine Kraft und Zeit in den Dienst Jesus
stellen zu können. Ich kann Paulus verstehen, der sagt,
er wünschte, alle wären unverheiratet wie er. Doch muss
man sehen, dass man nicht ein alter schrulliger Single
wird, mit dem niemand mehr zusammen sein möchte.
Als Single ist es umso wichtiger, im Team zu arbeiten,
Freundschaften mit Familien zu haben und korrigierbar
zu bleiben. Es ist gut, mit anderen zusammen zu wohnen,
damit man beziehungsfähig und kompromissbereit
bleibt. Denn wer sich nur um sich selbst dreht, wird
auch in der Mission unerträglich.
Wenn es zu einer Gewissheit geworden ist,
dass man „nichts verpasst“ hat, dass Gottes Plan
absolut genial ist und dass man als Single nicht
verzweifeln muss, wird man ein glücklicher
Single in der Mission sein. Denn Gott sorgt
dafür, dass man das, was man aufgegeben hat
(Familie, Freunde, etc) auf vielfältige Weise
wieder erstattet bekommt.
Gott ist auch derjenige, der einem die
Türen zum Dienst öffnet. Selbst wenn
es gegen die Kultur im Einsatzland
sein sollte, kann er alles möglich
machen.
Beate Grubert
war 14 Jahre als
VM-Missionarin in Afrika und Südasien |