| „B |
raucht
es heute
noch Missionare aus
Deutschland?“, so
fragte ich kürzlich
einen ugandischen Parlaments-abgeordneten und christlichen Leiter – in
seinem Land |
gibt es heute besonders
viele Christen. Entschieden
antwortete er: „Ja, wir wollen weitere Missionare aus Europa, die mit uns
zusammen im Dienst stehen. Wir Afrikaner evangelisieren unser Land mit
Freude und Begeisterung. Aber wir brauchen noch Missionare mit Erfahrung z.
B. in theologischer Lehre und Medien. Und vor allem, wir brauchen ihr
gelebtes Vorbild. Auch wir sind von unserer Kultur geprägt, in der
Stammeszugehörigkeit und Großfamilie viel bedeutet. Deren Wohl hat Vorrang.
Da fehlt uns oft der Blick für andere Volksgruppen. Manche verachten wir
seit vielen Jahrhunderten. Vor anderen haben wir Angst. Darum brauchen wir
Missionare, die uns den Blick für unsere Nachbarvölker öffnen. Manche
westlichen Missionare haben Mühe mit der kulturellen Anpassung und dem
Sprachelernen. Aber ihre Opferbereitschaft fordert uns heraus. Da sagen wir
zueinander: Das können wir eigentlich viel besser und leichter. Das spornt
uns an. Zudem praktizieren wir einen autoritären Führungsstil: Der Häuptling
hat das Sagen; ihm wird bedingungslos gehorcht. Da helfen |
uns westliche Missionare, einfühlsam zu führen und Mitarbeiter in
Entscheidungen
einzubeziehen. Weitere Themen sind der Umgang mit Macht, Finanzen, Zeit,
Administration, Zielstrebigkeit … Wir
können viel von westlichen Missionaren
lernen. Es ist gerade ihre Persönlichkeit, die uns ein Vorbild ist. Bitte
schickt uns weitere Missionare, die uns Bruder sind, mit uns zusammen
arbeiten.“ So die entschiedene Bitte dieses christlichen Leiters aus Afrika.
Ist es aber nicht wirkungsvoller, einheimische Mitarbeiter zu finanzieren
und
zudem viel preiswerter, so fragen Kritiker. Ich bin beeindruckt vom Wachstum
christlicher Gemeinden besonders der Dritten Welt. Doch noch immer gibt es
zahlreiche Völker ohne jedes christliche Zeugnis. In den multireligiösen
Großstädten
mag es eine christliche Gemeinde in einer Sprachgruppe geben; damit sind
aber andere Völker noch lange nicht erreicht.
Tausende sollen kommen
Alle Völker aber brauchen das Evangelium in ihrer Verstehenswelt und in
kulturell bedeutsamer Form. Dazu müssen Botschafter zu ihnen gehen,
sorgfältig ihre Sprache und Kultur erlernen. Das erfordert Ausbildung,
Erfahrung und Ausdauer – auch für einheimische Missionare –, und es ist
kostspielig und mühsam. Zudem werden Missionare aus Deutschland weltweit
geschätzt wegen ihrer gründlichen Ausbildung, systematischen Arbeit,
Ausdauer, |
kulturellen Einfühlungsvermögen,
konsultativen Führungsstil und weil wir schon lange keine Kolonialmacht
mehr sind. Den AEM-Missionaren liegen Tausende eindringlicher Bitten aus
aller Welt um Entsendung weiterer Missionare vor. Wir brauchen beides
Brauchen wir heute noch Missionare aus Deutschland, oder sollten wir besser
einheimische Mitarbeiter unterstützen? Die Antwort kann nur lauten: Sowohl –
als auch. Die Not in unserer Welt ist heute so groß. Zu keiner Zeit gab es
mehr Menschen, die noch nie das Evangelium gehört haben, als heute. So
brauchen wir heute beides: mehr Missionare aus Deutschland und die
wachsende, behutsame Zusammenarbeit mit den Gemeinden in den Einsatzländern.
Detlef Blöcher
Dr. Detlef Blöcher ist Missionsdirektor der Deutschen
Missionsgemeinschaft (DMG) und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft
Evangelikaler Missionen (AEM). Auf der BFP Konferenz in Kirchheim, die unter
dem Thema Weltmission steht, wird er einer der Hauptredner sein. Nachdruck
des Artikels aus idea Spektrum Ausgabe 10/2004 mit freundlicher Genehmigung
des Herausgebers idea e. V. |