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Hintergrundartikel

 
 

Bericht von Detlef Blöcher

„B

raucht es heute noch Missionare aus Deutschland?“, so fragte ich kürzlich einen ugandischen Parlaments-abgeordneten und christlichen Leiter – in seinem Land

gibt es heute besonders viele Christen. Entschieden antwortete er: „Ja, wir wollen weitere Missionare aus Europa, die mit uns zusammen im Dienst stehen. Wir Afrikaner evangelisieren unser Land mit Freude und Begeisterung. Aber wir brauchen noch Missionare mit Erfahrung z. B. in theologischer Lehre und Medien. Und vor allem, wir brauchen ihr gelebtes Vorbild. Auch wir sind von unserer Kultur geprägt, in der Stammeszugehörigkeit und Großfamilie viel bedeutet. Deren Wohl hat Vorrang. Da fehlt uns oft der Blick für andere Volksgruppen. Manche verachten wir seit vielen Jahrhunderten. Vor anderen haben wir Angst. Darum brauchen wir Missionare, die uns den Blick für unsere Nachbarvölker öffnen. Manche westlichen Missionare haben Mühe mit der kulturellen Anpassung und dem Sprachelernen. Aber ihre Opferbereitschaft fordert uns heraus. Da sagen wir zueinander: Das können wir eigentlich viel besser und leichter. Das spornt uns an. Zudem praktizieren wir einen autoritären Führungsstil: Der Häuptling hat das Sagen; ihm wird bedingungslos gehorcht. Da helfen

uns westliche Missionare, einfühlsam zu führen und Mitarbeiter in Entscheidungen einzubeziehen. Weitere Themen sind der Umgang mit Macht, Finanzen, Zeit, Administration, Zielstrebigkeit … Wir können viel von westlichen Missionaren lernen. Es ist gerade ihre Persönlichkeit, die uns ein Vorbild ist. Bitte schickt uns weitere Missionare, die uns Bruder sind, mit uns zusammen arbeiten.“ So die entschiedene Bitte dieses christlichen Leiters aus Afrika. Ist es aber nicht wirkungsvoller, einheimische Mitarbeiter zu finanzieren und zudem viel preiswerter, so fragen Kritiker. Ich bin beeindruckt vom Wachstum christlicher Gemeinden besonders der Dritten Welt. Doch noch immer gibt es zahlreiche Völker ohne jedes christliche Zeugnis. In den multireligiösen Großstädten
mag es eine christliche Gemeinde in einer Sprachgruppe geben; damit sind aber andere Völker noch lange nicht erreicht.

Tausende sollen kommen

Alle Völker aber brauchen das Evangelium in ihrer Verstehenswelt und in kulturell bedeutsamer Form. Dazu müssen Botschafter zu ihnen gehen, sorgfältig ihre Sprache und Kultur erlernen. Das erfordert Ausbildung, Erfahrung und Ausdauer – auch für einheimische Missionare –, und es ist kostspielig und mühsam. Zudem werden Missionare aus Deutschland weltweit geschätzt wegen ihrer gründlichen Ausbildung, systematischen Arbeit, Ausdauer,

kulturellen Einfühlungsvermögen, konsultativen Führungsstil und weil wir schon lange keine Kolonialmacht mehr sind. Den AEM-Missionaren liegen Tausende eindringlicher Bitten aus aller Welt um Entsendung weiterer Missionare vor. Wir brauchen beides Brauchen wir heute noch Missionare aus Deutschland, oder sollten wir besser einheimische Mitarbeiter unterstützen? Die Antwort kann nur lauten: Sowohl – als auch. Die Not in unserer Welt ist heute so groß. Zu keiner Zeit gab es mehr Menschen, die noch nie das Evangelium gehört haben, als heute. So brauchen wir heute beides: mehr Missionare aus Deutschland und die wachsende, behutsame Zusammenarbeit mit den Gemeinden in den Einsatzländern.

Detlef Blöcher
 

Dr. Detlef Blöcher ist Missionsdirektor der Deutschen Missionsgemeinschaft (DMG) und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM). Auf der BFP Konferenz in Kirchheim, die unter
dem Thema Weltmission steht, wird er einer der Hauptredner sein. Nachdruck des Artikels aus idea Spektrum Ausgabe 10/2004 mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers idea e. V.
 

 
 
   
 
 

(Missionsnachrichten 09  / 2004) 

 

 

 

 

 

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