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Auf die Frage: „Noch Missionare aus Deutschland?“ hat in der letzten Ausgabe der
Artikel von Dr. Detlef Blöcher eine ausgewogene Antwort gegeben. Diese oft
gestellte Frage hat ihren Ursprung in folgenden Überlegungen: Einheimische
Missionare haben Bewegungsfreiheit, unterliegen keinen
Visabestimmungen, bleiben unauffällig in verschlossenen Ländern oder
Gebieten. Einheimische Missionare sprechen die Sprache des Volkes, zu
dem sie gehören. Viel Zeit und Aufwand, um eine Sprache zu erlernen, werden
gespart. Einheimische Missionare sind mit der Kultur ihres Landes
vertraut. Sie verstehen Denk- und Handlungsweise ihres Volkes.
Einheimische Missionare arbeiten kosteneffektiver.
Was
ist unser Maßstab?
Oberflächlich betrachtet könnte man aus diesen Feststellungen entnehmen,
dass wir unserem Missionsauftrag mit dem „Senden“ von Missionaren äußerst
ineffizient nachkommen. Ist dies wirklich der Fall? Die folgenden
Darlegungen aus der Schrift und der Missionspraxis sollen mithelfen, ein
differenzierteres Verständnis zur Aussendung von Missionaren, sowie der
wertvollen Arbeit so genannter „einheimischer Missionare“ zu gewinnen.
Vorausschicken möchte ich noch eine zeitgenössische Wertvorstellung, die
dazu beigetragen hat, die oben angeführten Gründe so zu interpretieren. Es
ist die viel gepriesene „Wirtschaftlichkeit“ unserer Arbeit. Effizienz und
Produktivität bestimmen, was gut und schlecht ist. Heute muss man mit dem
möglichst niedrigsten Aufwand, die möglichst größte Produktivität erreichen.
Der Gewinn entscheidet dann, ob Konzept und Strategie richtig waren.
Sicherlich sind dies richtige Ansätze und haben auf der positiven Seite zu
Wohlstand und Komfort geführt. Die Liste der negativen Auswirkungen solcher
Wertvorstellungen ist aber vielleicht noch länger. Im Reich Gottes und in
der Missionspraxis kann Wirtschaftlichkeit und Produktivität allein kein
Maßstab sein. Strategien oder Modelle müssen an der Messlatte der Schrift
gemessen werden, auch wenn sie Entwicklungen ihrer Zeit, Kultur oder Rasse
sind und manches einfacher durchführen lassen. Denn in der missionarischen
Arbeit, wie überhaupt in der Arbeit für unseren Herrn, heiligt der Zweck
nicht das Modell oder das Verfahren. Zeitgenössische Kriterien wie
Wirtschaftlichkeit, Bequemlichkeit, Praktikabilität allein reichen nicht für
eine solide Bewertung einer modernen Idee von einem Heer einheimischer
Missionare. Was wir brauchen, ist eine Betrachtung von allen Seiten, zuerst
von der Schrift, dann auch von der Praxis her.
Der Missionsbefehl
Fangen wir beim Missionsauftrag Jesu an: Im Missionsbefehl Jesu in Matthäus
28, von Vers 16 bis 20 lesen wir von „ aller Macht, allen Nationen,
alles bewahren und lehren und alle Tage“. Das kleine Wort
„alle“ zeugt von einem globalen und grenzenlosen Auftrag, der
-
weit
über die körperlichen und verstandesmäßigen Kräfte der Jünger hinausgeht,
-
weit auch über ihre Landesgrenzen oder Volksgrenzen geht,
-
weit über
ihre Lebenszeit hinaus geht und
-
weit über ihre eigene Volkszugehörigkeit
geht.
Der Missionsauftrag – eine globale Dimension
Der Auftrag Jesu lässt in keiner Richtung irgendeine Ergänzung,
Einschränkung oder gar Polarisation zu. Er ist für alle, an alle und
wiederum für alle an alle. Somit gilt Matthäus 28,16-20 gleichermaßen für
Asiaten, Afrikaner, Amerikaner und Europäer. Auch in der Apostelgeschichte
1,8 spricht Jesus von einem globalen Missionsauftrag, der für alle Menschen
die gleiche Bedeutung hat. Er sagte hier zu seinen Jüngern: „Ihr werdet
meine Zeugen sein, in Jerusalem, in Judäa, in Samaria und bis an das Ende
der Erde“. Somit wird jeder wiedergeborene Christ zum Zeugen. Jesus sagte:
„Lehret sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe“. Also auch dieser
Missionsauftrag soll weitergegeben werden. Schon hier ist zu erkennen, dass
Gott nicht nur Inder für Inder, genau so wenig nur Deutsche für Deutsche
ruft. Das kleine Wort „alle“ im Missionsauftrag Jesu ist weder eingrenzend
noch ausgrenzend und hat eine deutliche globale Dimension. Unser Auftrag,
unsere Arbeit ist damit grenzüberschreitend und kulturübergreifend.
Philippus und der Äthiopier
Die Apostelgeschichte ist voll von Beispielen, die diese Tatsache
untermauern. Dort geht es von Jerusalem über Judäa nach Samaria bis nach
Rom. Interessant ist die Geschichte von Philippus und dem Äthiopier, in
Kapitel 8, von Vers 26 bis 40. Bezeichnend ist hier Vers 29: „Der Geist aber
sprach zu Philippus: „Tritt hinzu und schließe Dich diesem Wagen an“. Es ist
der heilige Geist, der die Brücke schlägt und Philippus zu dem Äthiopier
führt und hier werden zum ersten Mal ganz deutlich alle Schranken
durchbrochen. Der Äthiopier gehört eindeutig zu einer anderen Rasse, zu
einer anderen Sprache, zu einer anderen Kultur und geographisch natürlich
auch zu einem anderen Gebiet. In Vers 31 lesen wir, wie Philippus von dem
Äthiopier eingeladen wird, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen.
Simon Petrus und Cornelius
Bemerkenswert ist auch Apostelgeschichte 10. Dort befiehlt Gott durch einen
Engel Cornelius, einem Römer, Männer nach Joppe zu senden und Simon Petrus
zu rufen. Simon Petrus war aus einer völlig anderen Kultur, Bildung,
Sprache, Denkund Handlungsweise. Für Cornelius allerdingswar diese Tatsache
kein Hindernis, Petrus rufen zu lassen. Für Petrus war es aber ein Problem
und es ist wohltuend zu sehen, wie Gott selbst Petrus auf einen
kulturübergreifenden Dienst vorbereitet. In den Versen 9 bis 16 sagt der
Herr ihm drei Mal „was Gott gereinigt hat, mache Du nicht unrein“. Während
Petrus noch über diese Vision nachdenkt, stehen schon drei Männer an der
Tür, die nach ihm fragen. Petrus folgt der Einladung und geht am nächsten
Tag mit ihnen nach Cäsarea. Dort angekommen erklärt Cornelius, wie es zur
Einladung kam und sagt die bezeichnenden Worte zu Petrus, in Vers 33,
„sofort nun sandte ich zu Dir und Du hast wohl getan, dass Du gekommen bist.
Jetzt sind wir nun alle vor Gott zugegen, um alles zu hören, was Dir vom
Herrn aufgetragen ist“. Petrus reagiert in Vers 34 in sehr bezeichnender
Weise: „In Wahrheit begreife ich, dass Gott die Person nicht ansieht,
sondern in jeder Nation ist, wer ihn fürchtet und Gerechtigkeit übt, ist ihm
angenehm.“
Juden und Griechen
In Apostelgeschichte 11 lesen wir wieder von kulturübergreifender Mission.
Aus der Zerstreuung oder Verfolgung kamen Christen nach Antiochia, sie
sprachen nur zu Juden. Es waren aber dort auch Männer aus Zypern und Kyrene,
die auch zu den Griechen das Wort sprachen und es heißt dann: „...und des
Herrn Hand war mit ihnen“. Wer waren die Männer aus Zypern und Kyrene? War
es Simeon mit dem Beinamen Niger oder Lucius von Kyrene oder Manaen, der mit
Herodes aufgewachsen war? Auf jeden Fall waren es Männer, die mit der
griechischen Kultur und Sprache vertraut gewesen waren. Sie treten in eine
kulturübergreifende Mission und die Hand des Herrn war mit ihnen. Die
griechische Sprache und Kultur, sowie ihr Polytheismus hätte nicht
andersartiger als die jüdische Kultur, Sprache und ihr Gottverständnis sein
können.
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Paulus, ein Apostel der Nationen
Zu erwähnen wäre noch Paulus selber und einige seiner Aussagen, die ganz
klar belegen, dass kulturübergreifend missioniert werden kann und soll.
Auffallend ist, dass Paulus sich am Anfang seiner vielen Briefe immer wieder
als Apostel Christi vorstellt. So tut er es im Römerbrief, im
Korintherbrief, bei den Galatern, den Ephesern, den Kolossern und auch
Timotheus und Titus gegenüber. Interessant ist das Wort aus Römer 1,5:
„Durch ihn haben wir Gnade und Apostelamt empfangen, für seinen Namen zum
Glaubensgehorsam unter allen Nationen, unter denen auch Ihr Berufene Jesu
Christi seid“. Im 14. Vers, im selben Kapitel schreibt Paulus noch einmal:
„sowohl Griechen, als auch Nicht-Griechen; sowohl Weisen, als auch
Unverständigen bin ich ein Schuldner“. In Kapitel 11,13 lesen wir wieder von
Paulus: „Denn ich sage Euch, den Nationen: Insofern ich nun der
Nationen-Apostel bin, bringe ich meinen Dienst zu Ehren“. Im 1.
Korintherbrief, Kapitel 9, Vers 20 bis 23 lesen wir, wie Paulus seinen
Dienst sieht: „ Ich bin den Juden wie ein Jude geworden, damit ich die Juden
gewinne, denen, die unter dem Gesetz sind, wie einer unter Gesetz. Obwohl
ich selbst nicht unter Gesetz bin, damit ich die, welche unter Gesetz sind,
gewinne. Denen die ohne Gesetz sind, wie einer ohne Gesetz. Obwohl ich nicht
ohne Gesetz vor Gott bin, sondern unter dem Gesetz Christi, damit ich die,
welche ohne Gesetz sind, gewinne. Den Schwachen bin ich ein Schwacher
geworden, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden,
damit ich auf alle Weise einige errette. Ich tue aber alles um des
Evangeliums Willen, um an ihm Anteil zu bekommen“.
William Carey
führte 1792 in einer Untersuchung, ob der Befehl, den der Herr seinen
Jüngern gab, nicht auch uns noch bindet, unter anderem folgende Argumente
an:
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Wenn der Befehl Christi, alle Völker zu lehren, auf die Apostel
beschränkt gewesen wäre, dann müsste dies mit dem Taufbefehl genauso der
Fall sein.
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Wenn der Befehl Christi, alle Völker zu lehren, auf die Apostel
beschränkt gewesen wäre, hätten alle, die sich bemühten, das Evangelium zu
den Heiden zu bringen, ohne Erlaubnis gehandelt.
-
Wenn der Befehl Christi, alle Völker zu lehren, auf die Apostel
beschränkt gewesen wäre, wäre die Verheißung der göttlichen Gegenwart
genauso darauf beschränkt.
Abschließend lässt sich sagen, dass die kulturübergreifende Mission in der
Schrift eindeutig belegt ist, von Gott gewollt und von ihm und dem heiligen
Geist vorangetrieben wurde. Vom Schriftzeugnis her sind wir legitimiert, und
zwar alle, in alle Welt und in alle Völker hineinzuwirken.
Gott ruft immer noch Menschen in seinen Dienst
Die Tatsache, dass Gott immer noch Menschen
in einen kulturübergreifenden Dienst ruft, belegt, dass die Schrift auch
heute noch so zu verstehen ist, wie damals die Jünger sie verstanden. Nur
die Fragen, die immer wieder auftauchen, sind die: Wäre es nicht sinnvoller,
anstatt zeitraubend Sprache und Kultur zu erfassen, lieber solche Leute zu
senden, die dafür keine Zeit verlieren müssen, oder anstatt einen teuren
Missionar zu senden, lieber zehn Einheimische zu unterstützen? Würde man
nicht durch die Unterstützung von einheimischen Kräften schneller und
effektiver zum Ziel kommen?
Die Notwendigkeit einer multikulturellen
Missionsarbeit
Behauptet wird oft, dass kulturelle und
sprachliche Schranken schwer zu durchbrechen sind. Sie kosten viel Zeit und
Kraft. Dennoch, die kulturelle und sprachliche Grenzüberschreitung hat viele
Vorteile gegenüber einer monokulturellen Missionsarbeit. Dass der
ausländische Missionar als solcher gleich erkennbar ist, steht ohne Zweifel.
Seine Kleidung, seine Hautfarbe und sein Verhalten mögen ihn gleich in die
Isolation oder in Gefahr bringen. Die scheinbare Unüberwindlichkeit, dieser
mehr äußeren Verschiedenartigkeit, liegt aber nicht zuerst in der Sprach-
und Kulturkenntnis, so wichtig dies auch ist, sondern vielmehr in der
Herzensidentifizierung mit dem Volk, dem der ausländische Missionar dienen
möchte. Es kommt auf die Sprache des Herzens an. Was zählt, ist Liebe und
Opfer, was übrigens das Erlernen einer fremden Sprache und Kultur erheblich
erleichtert. Hingabe und Liebe werden auch in einer fremden Kultur
registriert und wohlwollend aufgenommen. Der Aufwand eines kulturell
übergreifenden Einsatzes wird sehr geschätzt. Kultur ist nicht neutral und
unantastbar oder unwandelbar. Absolute Kulturen sind kaum noch anzutreffen.
So wie sich Menschen heute vermischen, so auch ihre Kulturen. Viele Elemente
einer Kultur sind schriftkonform, andere jedoch sind der Schrift zuwider und
schlicht Sünde. Darauf aufmerksam zu machen, gelingt dem ausländischen
Missionar eher, weil er in der Kultur nicht selber aufgewachsen ist. Der
ausländische Missionar hat es leichter, über Stammesgrenzen und Kasten, wie
etwa im Hinduismus, hinweg zu arbeiten. In Indien ist es z. B. schwierig,
für einheimische Missionare, und oft wohl unmöglich, über die Kastengrenzen
hinweg zu evangelisieren. Einheimische Missionare können viele Aufgaben
übernehmen, die einem Ausländer versperrt bleiben. Dennoch wird es leicht
vergessen, dass auch einheimische Missionare kulturelle Schranken überwinden
müssen. Nationale Grenzen schließen nicht selten viele verschiedene Kulturen
ein. Oft leben einheimische Christen in ihrem Land in fremden Kulturen,
Sprachen und Gebräuchen. Da, wo auch noch Spannungen zwischen ethnischen
Gruppen bestehen, kann ein kulturell neutral stehender Ausländer, unter
Umständen sogar besser Brücken schlagen, als ein Einheimischer, der einer
gegnerischen ethnischen Gruppe angehört.
Verschlossene Länder
Hier müssen wir differenzieren zwischen
verschlossenen Grenzen dem Evangelium gegenüber und verschlossenen Grenzen
Ausländern gegenüber. In den meisten Fällen handelt es sich um
Verschlossenheit gegenüber einer anderen Religion. In diesen Ländern kann
sich der Einheimische wohl besser bewegen und eventuell tarnen, ist aber,
wenn es ums Missionieren geht, genauso verwundbar wie der Ausländer.
Zeltmachermissionare können genauso effektiv sein wie einheimische
Missionare.
Eigenverantwortlichkeit
Eigenverantwortung, Selbstständigkeit und Selbstbezogenheit, wie sie im
Westen vorhanden sind, existieren so in der Dritten Welt nicht. Fast
ausnahmslos entscheidet die Familie oder die Sippe in wichtigen
Angelegenheiten, wie vorhandene Ressourcen eingesetzt werden. Bedürfnisse
der Gemeinde und des Dienstes haben eine untergeordnete Stellung. Damit
unterliegt Zweckbindung der Unterstützung jeweils den Anforderungen, die in
der Familie oder Sippe
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vorhanden sind. Die Verantwortung und Vision des ausländischen Missionars
kann nicht einfach automatisch auf bezahlte einheimische Kräfte übertragen
werden. Die angeblichen Vorteile in der Unterstützung des einheimischen
Missionars zielen auf Wirtschaftlichkeit und schnellen Erfolg, aber der Weg
dahin ist nicht so einfach wie er erscheint. Es ist auch letztendlich nicht
die Finanzkraft der westlichen Welt, die den geistlichen Durchbruch in der
Weltmission und den verschlossenen Ländern herbeiführen wird, sondern die
Kraft des heiligen Geistes, die in denen wirksam ist, die berufen und
gesandt sind, wie einst Christus selbst.
Gefahren und Grenzen eines Sponsoringprogramms
Rechenschaft
In der Tat lebt der ausländische
(ausheimische) Missionar teurer als der Einheimische. Ausgaben für Visa,
Tickets, Sozialversicherungen, Schulgebühren usw. brauchen vom einheimischen
Missionar nicht aufgebracht werden. Dennoch, die nun offensichtliche große Ersparnis bei der Unterstützung
einheimischer Missionare sollte differenziert und in ihrer Komplexität
gesehen werden und zwar aus folgenden Gründen: Bei einem Sponsoringprogramm
ist die Rechenschaftshaltung gegenüber dem Geber und die Transparenz der
rechten Anwendung der Unterstützung großen Spannungen unterworfen. Durch den
geographischen und kulturellen Abstand zwischen Geber und Empfänger ist ein
intensiver Austausch zwischen beiden kaum möglich. Es entwickelt sich eine
gewisse Unpersönlichkeit, die es für beide Seiten schwer, ja fast unmöglich
macht, Transparenz und verantwortliches Handeln einzufordern. Dagegen
fördert Abhängigkeit gegenüber inländischen und direkten Ressourcen Glauben,
Verantwortung und Hingabe. Falsche Brüder werden schnell entlarvt und die
Gemeinden werden von Mietlingen befreit.
Eigenständigkeit
Kommt Geld von außerhalb, wird die
finanzielle Eigenständigkeit der Gemeinde unnötig hinausgezögert, wenn nicht
gar unmöglich gemacht. Nicht zu vergessen sei, dass die Hoffnung, noch mehr
an Hilfe zu erhalten, sich durch bereits empfangene Finanzen eher nur noch
steigert, als reduziert. Damit bleibt die gesunde geistliche Entwicklung der
Gemeinde, des Pastors oder Evangelisten auf der Strecke. Motivation und
Eigeninitiative werden gehemmt und anstelle tritt Neid, Zank und Streit
unter den Empfängern.
Beziehung
Nicht selten zerstört das ausländische Geld
die Beziehung zum eigenen Volk. Aus langjähriger Praxis auf dem Missionsfeld
und vielen Beobachtungen heraus kann ich nur bestätigen, dass das Privileg,
unter Tausenden eine ausländische Geldquelle zu besitzen, dem einheimischen
Missionar in seinem Beziehungsnetz sehr leicht isoliert, besonders dann,
wenn bei der Unterstützung eine gewisse Regelmäßigkeit eintritt. Die sich
entwickelnde soziale und finanzielle Unabhängigkeit im eigenen Kulturkreis
wird zu einer großen Versuchung, dem Dienst nicht so nachzugehen wie es der
Unterstützer erwartet, denn Erfolg oder Misserfolg haben keinen direkten
Einfluss auf seinen sozialen Stand.
Manipulation
Auch die Gefahr der Manipulation durch ein
Sponsoringprogramm ist groß. Besonders dann wenn es durch den ausländischen
Missionar gesteuert wird. Er ist schnell versucht zu steuern und zu
dirigieren, ohne es selber bewusst zu merken. Geld ist Macht und ein langer
Hebel. Durch gezielten Einsatz seiner Mittel mag er schnellen Erfolg
verzeichnen, so wie er und seine Unterstützer in der Heimat es sich
vorstellen. Diese Art der Arbeit führt immer in die Sackgasse. Nicht wenige
ausländische Missionare sind durch die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel
in der Paternalismusrolle gefangen.
Einheimische
und
ausländische
Missionare
Hand in Hand
Deutlich sollte aber gesagt sein, dass weder der einheimische Missionar den ausländischen
Missionar ersetzt, noch der Ausländische den
Einheimischen. Weder wird der ausländische Missionar die verlorene
Menschheit allein gewinnen, noch der Einheimische. Die Behauptung, teure
westliche Missionare seien überflüssig und leicht durch einheimische
kostengünstige Missionare zu ersetzen, ist zu pauschal. Der Eindruck mag
entstehen, dass dem ausländischen Missionar mehr Bedeutung zukommt als dem
Einheimischen, was aber keineswegs Absicht dieses Artikels ist. Beide sind
Glieder am Leibe Jesu, beide haben ihren Auftrag. Nicht wenige treue und
hingegebene einheimische Missionare haben ihr Leben als Märtyrer für ihren
Herrn geopfert. Es geht nicht um ihren Stellenwert, nicht um ihre Leistung.
Im Reich Gottes geht es nicht um „Platzhirsche“ und „Erbhöfe“, so habe ich
es einmal von einem Missionar gehört. Der Missionsauftrag gilt allen
gleichermaßen. Mein Dienst in Afrika war nur möglich durch ein Hand in Hand
arbeiten mit meinen afrikanischen Pastoren. Sie gaben mir Schutz und
Führung. Sie waren es, die meinen Dienst bis im tiefsten Busch Afrikas
möglich machten. Viele wertvolle Erfahrungen und Einsichten an ihrer Seite
begleiten mich heute noch. In Afrika habe ich erst die weltweite Familie
Gottes schätzen gelernt. Da habe ich die Grenzen meiner eigenen Kultur und
Bildung gesehen. Aber auch umgekehrt konnte und durfte ich ein Führer und
Türöffner zu Häuptlingen, Medizinmännern, Ministern und hohen
Regierungsangestellten sein. Durch das Für- und Miteinander in meiner
Familie konnten Werte vermittelt werden, die für viele Afrikaner fremd
waren. Familie und Kinder sind für viele in ihrer Kultur nur Mittel zum
Zweck, dagegen waren Liebe, Partnerschaft und Verantwortung noch
unterbelichtet. Durch unsere Gegenwart waren wir ein positiver Einfluss. Wir
alle haben voneinander gelernt und uns gegenseitig befruchtet. Meine
afrikanischen Mitarbeiter werden immer einen Ehrenplatz in meinem Herzen
behalten.
Jesus sagte deutlich, dass letztendlich Er
seine Gemeinde baut, wobei wir ihm helfen dürfen. Alles ist Gnade. Ob es von
einheimischen oder ausländischen Missionaren getan werden konnte, spielt
dabei keine Rolle.
Mein Anliegen war es, das Thema „Sponsoring“
differenzierter und komplexer darzustellen und damit zum Nachdenken über
gewisse Unterstützungspraktiken anzuregen.
Fazit
Das Evangelium muss weiter, sowohl von
einheimischen als auch von ausländischen Missionaren, verkündigt werden.
Wirtschaftlichkeit und Produktivität haben bestimmt ihren Platz in der
Wirtschaft, aber sind nicht ausschlaggebend für Strategie und Konzept in der
Mission.
Zusammengestellt von Siegfried Bongartz |