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Hintergrundartikel

 
 

 

Einheimische oder ausländische Missionare?

Bericht von Siegfried Bongartz

Auf die Frage: „Noch Missionare aus Deutschland?“ hat in der letzten Ausgabe der Artikel von Dr. Detlef Blöcher eine ausgewogene Antwort gegeben. Diese oft gestellte Frage hat ihren Ursprung in folgenden Überlegungen: Einheimische Missionare haben Bewegungsfreiheit, unterliegen keinen Visabestimmungen, bleiben unauffällig in verschlossenen Ländern oder Gebieten. Einheimische Missionare sprechen die Sprache des Volkes, zu dem sie gehören. Viel Zeit und Aufwand, um eine Sprache zu erlernen, werden gespart. Einheimische Missionare sind mit der Kultur ihres Landes vertraut. Sie verstehen Denk- und Handlungsweise ihres Volkes. Einheimische Missionare arbeiten kosteneffektiver.

Was ist unser Maßstab?

Oberflächlich betrachtet könnte man aus diesen Feststellungen entnehmen, dass wir unserem Missionsauftrag mit dem „Senden“ von Missionaren äußerst ineffizient nachkommen. Ist dies wirklich der Fall? Die folgenden Darlegungen aus der Schrift und der Missionspraxis sollen mithelfen, ein differenzierteres Verständnis zur Aussendung von Missionaren, sowie der wertvollen Arbeit so genannter „einheimischer Missionare“ zu gewinnen. Vorausschicken möchte ich noch eine zeitgenössische Wertvorstellung, die dazu beigetragen hat, die oben angeführten Gründe so zu interpretieren. Es ist die viel gepriesene „Wirtschaftlichkeit“ unserer Arbeit. Effizienz und Produktivität bestimmen, was gut und schlecht ist. Heute muss man mit dem möglichst niedrigsten Aufwand, die möglichst größte Produktivität erreichen. Der Gewinn entscheidet dann, ob Konzept und Strategie richtig waren. Sicherlich sind dies richtige Ansätze und haben auf der positiven Seite zu Wohlstand und Komfort geführt. Die Liste der negativen Auswirkungen solcher Wertvorstellungen ist aber vielleicht noch länger. Im Reich Gottes und in der Missionspraxis kann Wirtschaftlichkeit und Produktivität allein kein Maßstab sein. Strategien oder Modelle müssen an der Messlatte der Schrift gemessen werden, auch wenn sie Entwicklungen ihrer Zeit, Kultur oder Rasse sind und manches einfacher durchführen lassen. Denn in der missionarischen Arbeit, wie überhaupt in der Arbeit für unseren Herrn, heiligt der Zweck nicht das Modell oder das Verfahren. Zeitgenössische Kriterien wie Wirtschaftlichkeit, Bequemlichkeit, Praktikabilität allein reichen nicht für eine solide Bewertung einer modernen Idee von einem Heer einheimischer Missionare. Was wir brauchen, ist eine Betrachtung von allen Seiten, zuerst von der Schrift, dann auch von der Praxis her.

Der Missionsbefehl

Fangen wir beim Missionsauftrag Jesu an: Im Missionsbefehl Jesu in Matthäus 28, von Vers 16 bis 20 lesen wir von „ aller Macht, allen Nationen, alles bewahren und lehren und alle Tage“. Das kleine Wort „alle“ zeugt von einem globalen und grenzenlosen Auftrag, der

  1. weit über die körperlichen und verstandesmäßigen Kräfte der Jünger hinausgeht,

  2. weit auch über ihre Landesgrenzen oder Volksgrenzen geht,

  3. weit über ihre Lebenszeit hinaus geht und

  4. weit über ihre eigene Volkszugehörigkeit geht.

Der Missionsauftrag – eine globale Dimension

Der Auftrag Jesu lässt in keiner Richtung irgendeine Ergänzung, Einschränkung oder gar Polarisation zu. Er ist für alle, an alle und wiederum für alle an alle. Somit gilt Matthäus 28,16-20 gleichermaßen für Asiaten, Afrikaner, Amerikaner und Europäer. Auch in der Apostelgeschichte 1,8 spricht Jesus von einem globalen Missionsauftrag, der für alle Menschen die gleiche Bedeutung hat. Er sagte hier zu seinen Jüngern: „Ihr werdet meine Zeugen sein, in Jerusalem, in Judäa, in Samaria und bis an das Ende der Erde“. Somit wird jeder wiedergeborene Christ zum Zeugen. Jesus sagte: „Lehret sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe“. Also auch dieser Missionsauftrag soll weitergegeben werden. Schon hier ist zu erkennen, dass Gott nicht nur Inder für Inder, genau so wenig nur Deutsche für Deutsche ruft. Das kleine Wort „alle“ im Missionsauftrag Jesu ist weder eingrenzend noch ausgrenzend und hat eine deutliche globale Dimension. Unser Auftrag, unsere Arbeit ist damit grenzüberschreitend und  kulturübergreifend.

Philippus und der Äthiopier

Die Apostelgeschichte ist voll von Beispielen, die diese Tatsache untermauern. Dort geht es von Jerusalem über Judäa nach Samaria bis nach Rom. Interessant ist die Geschichte von Philippus und dem Äthiopier, in Kapitel 8, von Vers 26 bis 40. Bezeichnend ist hier Vers 29: „Der Geist aber sprach zu Philippus: „Tritt hinzu und schließe Dich diesem Wagen an“. Es ist der heilige Geist, der die Brücke schlägt und Philippus zu dem Äthiopier führt und hier werden zum ersten Mal ganz deutlich alle Schranken durchbrochen. Der Äthiopier gehört eindeutig zu einer anderen Rasse, zu einer anderen Sprache, zu einer anderen Kultur und geographisch natürlich auch zu einem anderen Gebiet. In Vers 31 lesen wir, wie Philippus von dem Äthiopier eingeladen wird, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen.

Simon Petrus und Cornelius

Bemerkenswert ist auch Apostelgeschichte 10. Dort befiehlt Gott durch einen Engel Cornelius, einem Römer, Männer nach Joppe zu senden und Simon Petrus zu rufen. Simon Petrus war aus einer völlig anderen Kultur, Bildung, Sprache, Denkund Handlungsweise. Für Cornelius allerdingswar diese Tatsache kein Hindernis, Petrus rufen zu lassen. Für Petrus war es aber ein Problem und es ist wohltuend zu sehen, wie Gott selbst Petrus auf einen kulturübergreifenden Dienst vorbereitet. In den Versen 9 bis 16 sagt der Herr ihm drei Mal „was Gott gereinigt hat, mache Du nicht unrein“. Während Petrus noch über diese Vision nachdenkt, stehen schon drei Männer an der Tür, die nach ihm fragen. Petrus folgt der Einladung und geht am nächsten Tag mit ihnen nach Cäsarea. Dort angekommen erklärt Cornelius, wie es zur Einladung kam und sagt die bezeichnenden Worte zu Petrus, in Vers 33, „sofort nun sandte ich zu Dir und Du hast wohl getan, dass Du gekommen bist. Jetzt sind wir nun alle vor Gott zugegen, um alles zu hören, was Dir vom Herrn aufgetragen ist“. Petrus reagiert in Vers 34 in sehr bezeichnender Weise: „In Wahrheit begreife ich, dass Gott die Person nicht ansieht, sondern in jeder Nation ist, wer ihn fürchtet und Gerechtigkeit übt, ist ihm angenehm.“

Juden und Griechen

In Apostelgeschichte 11 lesen wir wieder von kulturübergreifender Mission. Aus der Zerstreuung oder Verfolgung kamen Christen nach Antiochia, sie sprachen nur zu Juden. Es waren aber dort auch Männer aus Zypern und Kyrene, die auch zu den Griechen das Wort sprachen und es heißt dann: „...und des Herrn Hand war mit ihnen“. Wer waren die Männer aus Zypern und Kyrene? War es Simeon mit dem Beinamen Niger oder Lucius von Kyrene oder Manaen, der mit Herodes aufgewachsen war? Auf jeden Fall waren es Männer, die mit der griechischen Kultur und Sprache vertraut gewesen waren. Sie treten in eine kulturübergreifende Mission und die Hand des Herrn war mit ihnen. Die griechische Sprache und Kultur, sowie ihr Polytheismus hätte nicht andersartiger als die jüdische Kultur, Sprache und ihr Gottverständnis sein können.

Paulus, ein Apostel der Nationen

Zu erwähnen wäre noch Paulus selber und einige seiner Aussagen, die ganz klar belegen, dass kulturübergreifend missioniert werden kann und soll. Auffallend ist, dass Paulus sich am Anfang seiner vielen Briefe immer wieder als Apostel Christi vorstellt. So tut er es im Römerbrief, im Korintherbrief, bei den Galatern, den Ephesern, den Kolossern und auch Timotheus und Titus gegenüber. Interessant ist das Wort aus Römer 1,5: „Durch ihn haben wir Gnade und Apostelamt empfangen, für seinen Namen zum Glaubensgehorsam unter allen Nationen, unter denen auch Ihr Berufene Jesu Christi seid“. Im 14. Vers, im selben Kapitel schreibt Paulus noch einmal: „sowohl Griechen, als auch Nicht-Griechen; sowohl Weisen, als auch Unverständigen bin ich ein Schuldner“. In Kapitel 11,13 lesen wir wieder von Paulus: „Denn ich sage Euch, den Nationen: Insofern ich nun der Nationen-Apostel bin, bringe ich meinen Dienst zu Ehren“. Im 1. Korintherbrief, Kapitel 9, Vers 20 bis 23 lesen wir, wie Paulus seinen Dienst sieht: „ Ich bin den Juden wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne, denen, die unter dem Gesetz sind, wie einer unter Gesetz. Obwohl ich selbst nicht unter Gesetz bin, damit ich die, welche unter Gesetz sind, gewinne. Denen die ohne Gesetz sind, wie einer ohne Gesetz. Obwohl ich nicht ohne Gesetz vor Gott bin, sondern unter dem Gesetz Christi, damit ich die, welche ohne Gesetz sind, gewinne. Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige errette. Ich tue aber alles um des Evangeliums Willen, um an ihm Anteil zu bekommen“.

William Carey

führte 1792 in einer Untersuchung, ob der Befehl, den der Herr seinen Jüngern gab, nicht auch uns noch bindet, unter anderem folgende Argumente an:

  1. Wenn der Befehl Christi, alle Völker zu lehren, auf die Apostel beschränkt gewesen wäre, dann müsste dies mit dem Taufbefehl genauso der Fall sein.

  2. Wenn der Befehl Christi, alle Völker zu lehren, auf die Apostel beschränkt gewesen wäre, hätten alle, die sich bemühten, das Evangelium zu den Heiden zu bringen, ohne Erlaubnis gehandelt.

  3. Wenn der Befehl Christi, alle Völker zu lehren, auf die Apostel beschränkt gewesen wäre, wäre die Verheißung der göttlichen Gegenwart genauso darauf beschränkt.

Abschließend lässt sich sagen, dass die kulturübergreifende Mission in der Schrift eindeutig belegt ist, von Gott gewollt und von ihm und dem heiligen Geist vorangetrieben wurde. Vom Schriftzeugnis her sind wir legitimiert, und zwar alle, in alle Welt und in alle Völker hineinzuwirken.

Gott ruft immer noch Menschen in seinen Dienst

Die Tatsache, dass Gott immer noch Menschen in einen kulturübergreifenden Dienst ruft, belegt, dass die Schrift auch heute noch so zu verstehen ist, wie damals die Jünger sie verstanden. Nur die Fragen, die immer wieder auftauchen, sind die: Wäre es nicht sinnvoller, anstatt zeitraubend Sprache und Kultur zu erfassen, lieber solche Leute zu senden, die dafür keine Zeit verlieren müssen, oder anstatt einen teuren Missionar zu senden, lieber zehn Einheimische zu unterstützen? Würde man nicht durch die Unterstützung von einheimischen Kräften schneller und effektiver zum Ziel kommen?

Die Notwendigkeit einer multikulturellen Missionsarbeit

Behauptet wird oft, dass kulturelle und sprachliche Schranken schwer zu durchbrechen sind. Sie kosten viel Zeit und Kraft. Dennoch, die kulturelle und sprachliche Grenzüberschreitung hat viele Vorteile gegenüber einer monokulturellen Missionsarbeit. Dass der ausländische Missionar als solcher gleich erkennbar ist, steht ohne Zweifel. Seine Kleidung, seine Hautfarbe und sein Verhalten mögen ihn gleich in die Isolation oder in Gefahr bringen. Die scheinbare Unüberwindlichkeit, dieser mehr äußeren Verschiedenartigkeit, liegt aber nicht zuerst in der Sprach- und Kulturkenntnis, so wichtig dies auch ist, sondern vielmehr in der Herzensidentifizierung mit dem Volk, dem der ausländische Missionar dienen möchte. Es kommt auf die Sprache des Herzens an. Was zählt, ist Liebe und Opfer, was übrigens das Erlernen einer fremden Sprache und Kultur erheblich erleichtert. Hingabe und Liebe werden auch in einer fremden Kultur registriert und wohlwollend aufgenommen. Der Aufwand eines kulturell übergreifenden Einsatzes wird sehr geschätzt. Kultur ist nicht neutral und unantastbar oder unwandelbar. Absolute Kulturen sind kaum noch anzutreffen. So wie sich Menschen heute vermischen, so auch ihre Kulturen. Viele Elemente einer Kultur sind schriftkonform, andere jedoch sind der Schrift zuwider und schlicht Sünde. Darauf aufmerksam zu machen, gelingt dem ausländischen Missionar eher, weil er in der Kultur nicht selber aufgewachsen ist. Der ausländische Missionar hat es leichter, über Stammesgrenzen und Kasten, wie etwa im Hinduismus, hinweg zu arbeiten. In Indien ist es z. B. schwierig, für einheimische Missionare, und oft wohl unmöglich, über die Kastengrenzen hinweg zu evangelisieren. Einheimische Missionare können viele Aufgaben übernehmen, die einem Ausländer versperrt bleiben. Dennoch wird es leicht vergessen, dass auch einheimische Missionare kulturelle Schranken überwinden müssen. Nationale Grenzen schließen nicht selten viele verschiedene Kulturen ein. Oft leben einheimische Christen in ihrem Land in fremden Kulturen, Sprachen und Gebräuchen. Da, wo auch noch Spannungen zwischen ethnischen Gruppen bestehen, kann ein kulturell neutral stehender Ausländer, unter Umständen sogar besser Brücken schlagen, als ein Einheimischer, der einer gegnerischen ethnischen Gruppe angehört.

Verschlossene Länder

Hier müssen wir differenzieren zwischen verschlossenen Grenzen dem Evangelium gegenüber und verschlossenen Grenzen Ausländern gegenüber. In den meisten Fällen handelt es sich um Verschlossenheit gegenüber einer anderen Religion. In diesen Ländern kann sich der Einheimische wohl besser bewegen und eventuell tarnen, ist aber, wenn es ums Missionieren geht, genauso verwundbar wie der Ausländer. Zeltmachermissionare können genauso effektiv sein wie einheimische Missionare.

Eigenverantwortlichkeit

Eigenverantwortung, Selbstständigkeit und Selbstbezogenheit, wie sie im Westen vorhanden sind, existieren so in der Dritten Welt nicht. Fast ausnahmslos entscheidet die Familie oder die Sippe in wichtigen Angelegenheiten, wie vorhandene Ressourcen eingesetzt werden. Bedürfnisse der Gemeinde und des Dienstes haben eine untergeordnete Stellung. Damit unterliegt Zweckbindung der Unterstützung jeweils den Anforderungen, die in der Familie oder Sippe

 

 

vorhanden sind. Die Verantwortung und Vision des ausländischen Missionars kann nicht einfach automatisch auf bezahlte einheimische Kräfte übertragen werden. Die angeblichen Vorteile in der Unterstützung des einheimischen Missionars zielen auf Wirtschaftlichkeit und schnellen Erfolg, aber der Weg dahin ist nicht so einfach wie er erscheint. Es ist auch letztendlich nicht die Finanzkraft der westlichen Welt, die den geistlichen Durchbruch in der Weltmission und den verschlossenen Ländern herbeiführen wird, sondern die Kraft des heiligen Geistes, die in denen wirksam ist, die berufen und gesandt sind, wie einst Christus selbst.

Gefahren und Grenzen eines Sponsoringprogramms

Rechenschaft

In der Tat lebt der ausländische (ausheimische) Missionar teurer als der Einheimische. Ausgaben für Visa, Tickets, Sozialversicherungen, Schulgebühren usw. brauchen vom einheimischen Missionar nicht aufgebracht werden. Dennoch, die nun offensichtliche große Ersparnis bei der Unterstützung einheimischer Missionare sollte differenziert und in ihrer Komplexität gesehen werden und zwar aus folgenden Gründen: Bei einem Sponsoringprogramm ist die Rechenschaftshaltung gegenüber dem Geber und die Transparenz der rechten Anwendung der Unterstützung großen Spannungen unterworfen. Durch den geographischen und kulturellen Abstand zwischen Geber und Empfänger ist ein intensiver Austausch zwischen beiden kaum möglich. Es entwickelt sich eine gewisse Unpersönlichkeit, die es für beide Seiten schwer, ja fast unmöglich macht, Transparenz und verantwortliches Handeln einzufordern. Dagegen fördert Abhängigkeit gegenüber inländischen und direkten Ressourcen Glauben, Verantwortung und Hingabe. Falsche Brüder werden schnell entlarvt und die Gemeinden werden von Mietlingen befreit.

Eigenständigkeit

Kommt Geld von außerhalb, wird die finanzielle Eigenständigkeit der Gemeinde unnötig hinausgezögert, wenn nicht gar unmöglich gemacht. Nicht zu vergessen sei, dass die Hoffnung, noch mehr an Hilfe zu erhalten, sich durch bereits empfangene Finanzen eher nur noch steigert, als reduziert. Damit bleibt die gesunde geistliche Entwicklung der Gemeinde, des Pastors oder Evangelisten auf der Strecke. Motivation und Eigeninitiative werden gehemmt und anstelle tritt Neid, Zank und Streit unter den Empfängern.

Beziehung

Nicht selten zerstört das ausländische Geld die Beziehung zum eigenen Volk. Aus langjähriger Praxis auf dem Missionsfeld und vielen Beobachtungen heraus kann ich nur bestätigen, dass das Privileg, unter Tausenden eine ausländische Geldquelle zu besitzen, dem einheimischen Missionar in seinem Beziehungsnetz sehr leicht isoliert, besonders dann, wenn bei der Unterstützung eine gewisse Regelmäßigkeit eintritt. Die sich entwickelnde soziale und finanzielle Unabhängigkeit im eigenen Kulturkreis wird zu einer großen Versuchung, dem Dienst nicht so nachzugehen wie es der Unterstützer erwartet, denn Erfolg oder Misserfolg haben keinen direkten Einfluss auf seinen sozialen Stand.

Manipulation

Auch die Gefahr der Manipulation durch ein Sponsoringprogramm ist groß. Besonders dann wenn es durch den ausländischen Missionar gesteuert wird. Er ist schnell versucht zu steuern und zu dirigieren, ohne es selber bewusst zu merken. Geld ist Macht und ein langer Hebel. Durch gezielten Einsatz seiner Mittel mag er schnellen Erfolg verzeichnen, so wie er und seine Unterstützer in der Heimat es sich vorstellen. Diese Art der Arbeit führt immer in die Sackgasse. Nicht wenige ausländische Missionare sind durch die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel in der Paternalismusrolle gefangen.

Einheimische und ausländische Missionare

Hand in Hand

Deutlich sollte aber gesagt sein, dass weder der einheimische Missionar den ausländischen Missionar ersetzt, noch der Ausländische den Einheimischen. Weder wird der ausländische Missionar die verlorene Menschheit allein gewinnen, noch der Einheimische. Die Behauptung, teure westliche Missionare seien überflüssig und leicht durch einheimische kostengünstige Missionare zu ersetzen, ist zu pauschal. Der Eindruck mag entstehen, dass dem ausländischen Missionar mehr Bedeutung zukommt als dem Einheimischen, was aber keineswegs Absicht dieses Artikels ist. Beide sind Glieder am Leibe Jesu, beide haben ihren Auftrag. Nicht wenige treue und hingegebene einheimische Missionare haben ihr Leben als Märtyrer für ihren Herrn geopfert. Es geht nicht um ihren Stellenwert, nicht um ihre Leistung. Im Reich Gottes geht es nicht um „Platzhirsche“ und „Erbhöfe“, so habe ich es einmal von einem Missionar gehört. Der Missionsauftrag gilt allen gleichermaßen. Mein Dienst in Afrika war nur möglich durch ein Hand in Hand arbeiten mit meinen afrikanischen Pastoren. Sie gaben mir Schutz und Führung. Sie waren es, die meinen Dienst bis im tiefsten Busch Afrikas möglich machten. Viele wertvolle Erfahrungen und Einsichten an ihrer Seite begleiten mich heute noch. In Afrika habe ich erst die weltweite Familie Gottes schätzen gelernt. Da habe ich die Grenzen meiner eigenen Kultur und Bildung gesehen. Aber auch umgekehrt konnte und durfte ich ein Führer und Türöffner zu Häuptlingen, Medizinmännern, Ministern und hohen Regierungsangestellten sein. Durch das Für- und Miteinander in meiner Familie konnten Werte vermittelt werden, die für viele Afrikaner fremd waren. Familie und Kinder sind für viele in ihrer Kultur nur Mittel zum Zweck, dagegen waren Liebe, Partnerschaft und Verantwortung noch unterbelichtet. Durch unsere Gegenwart waren wir ein positiver Einfluss. Wir alle haben voneinander gelernt und uns gegenseitig befruchtet. Meine afrikanischen Mitarbeiter werden immer einen Ehrenplatz in meinem Herzen behalten.

Jesus sagte deutlich, dass letztendlich Er seine Gemeinde baut, wobei wir ihm helfen dürfen. Alles ist Gnade. Ob es von einheimischen oder ausländischen Missionaren getan werden konnte, spielt dabei keine Rolle.

Mein Anliegen war es, das Thema „Sponsoring“ differenzierter und komplexer darzustellen und damit zum Nachdenken über gewisse Unterstützungspraktiken anzuregen.

Fazit

Das Evangelium muss weiter, sowohl von einheimischen als auch von ausländischen Missionaren, verkündigt werden. Wirtschaftlichkeit und Produktivität haben bestimmt ihren Platz in der Wirtschaft, aber sind nicht ausschlaggebend für Strategie und Konzept in der Mission.

 

 

Zusammengestellt von Siegfried Bongartz

 
 
   
 
 

(Missionsnachrichten 10 und 11 / 2004) 

 

 

 

 

 

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