|
Nachdem wir in der letzten Ausgabe junge Menschen im Fokus
hatten, schwenken wir nun den Blick auf die ältere Generation.
Was ist aus den Kindern von „damals“ geworden? Was hat sie
geprägt und beeinflusst? Und wie prägen und beeinflussen sie heute
selber?
Wie wertvoll und wichtig gerade auch ältere Menschen für die
Arbeit unserer Missionare sind und wie Gott für, aber auch mit und
durch sie wirkt, davon berichten unsere Missionare in dieser Ausgabe.
Betonen wollen wir aber auch, dass Jung und Alt niemals im Gegensatz
zueinander stehen dürfen, es geht nicht um entweder – oder,
ganz im Gegenteil! Wie bedeutend und fruchtbar die gegenseitige
Ergänzung ist, zeigt uns folgendes Bild:
Die junge und alte Generation wird oft mit einer frischen und einer
abgebrannten Kerze verglichen. Die frische Kerze hat noch eine lange
Brenndauer vor sich, die abgebrannte dagegen nicht mehr. In diesem
Beispiel bestimmt der Nutzen oder die Effektivität den Wert der Kerze,
oder übertragen, des Menschen. Das ist aber falsch gedacht und vergessen
hat man die Wärme und das Licht, ausgestrahlt über eine lange
Zeit, was oft erst dazu führte, neue Kerzen zu finden. Oft war es die
Flamme der abgebrannten Kerze, die der frischen und unverbrauchten
das Feuer und Licht gab.
Als ich noch gut 40 Jahre jünger war, waren für mich die „55 Plus“
die Verbrauchten und Ausgedienten. Für mich waren sie rückständig,
knöchrig, verbohrt, bedauernswert und uralt. Oft musste meine Mutter
von ihrem Teenager hören, dass sie vom Leben nichts verstehe. Heute
gehöre ich längst zu den „55 Plus“ und fühle mich total mitten im
Leben und in Gottes Auftrag, auch wenn ich den letzten „Kick“ und
den letzten „Klick“ am Computer nicht mehr brauche. |
Für jeden Missionar ist es unerlässlich wichtig, auch die ältere Generation
zu erreichen. In vielen Einsatzländern hat gerade der ältere
Mensch den Schlüssel zur Akzeptanz und Aufnahme des Missionars.
Hier bündeln sich Erfahrung, Einfluss und Beziehungen. Der ältere
Mensch genießt Ehre und Anerkennung, die er auch von einem fremden
Gast in seinem Hause oder Land einfordert. Wohl dem Missionar,
dem es gelingt, die Herzen der Alten zu erreichen. Bestimmt nicht
einfach bei sehr geprägten und an Erfahrungen gereiften Menschen.
Nie werde ich vergessen, als ich als junger Missionar einen jungen
Mitarbeiter und Pastor in unserer Stadt, Lilongwe, besuchte. Er hatte
gerade Besuch von Moses Banda. Pastor Banda war etwa 80 Jahre alt
und ein erfahrener Gemeindegründer zu seiner Zeit. Plötzlich ergriff
er meinen Mitarbeiter und mich mit seinen Händen. „Siehst du diesen
Missionar?“ fragte er meinen Mitarbeiter und mit tiefer, gewaltiger
Stimme kam es aus ihm heraus: „Du musst mit diesem Mann zusammen
arbeiten. Ihr gehört zusammen, Gott hat euch zusammengeführt.
Ich will keinen Streit zwischen euch, ihr arbeitet zusammen“. Sein
Wort und seine Gebete haben mir viele Türen geöffnet. Die alte Kerze
hat ihr Feuer weiter gegeben. Was wäre Mission ohne diese wertvollen
Menschen in unserem Dienst?
|
Euer
Siegfried Bongartz
Missionsdirektor
der Velberter Mission |
|