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Philippus aber lief hinzu und hörte ihn den Propheten
Jesaja lesen und sprach: Verstehst du auch,
was du liest? Er aber sprach: Wie könnte ich denn,
wenn nicht jemand mich anleitet?
Erst kürzlich hielt ich den Entwurf eines Rundbriefes
in den Händen. Bei näherem Hinsehen entpuppte sich
der Text in lateinischer Sprache. Die Buchstaben konnte
ich lesen, jedoch ihre Reihenfolge machten keinen Sinn.
Der Brief war grafisch ansprechend, jedoch für mich
nichts sagend. Offen gestanden, nicht immer verstehe
ich wirklich, was ich lese, auch wenn es in meiner
Muttersprache geschrieben ist. Auch beim Nachlesen
muss ich aufgeben, einfach weil mir die Materie nicht
bekannt ist. „Geschichten“ aus einer anderen „Welt“
brauchen eben Übersetzung und Auslegung, sonst
bleiben sie nutzlos. Wer von uns hat sich nicht schon
selber gefragt, ob er tatsächlich versteht, was er liest?
Es ist eine chaotische und manchmal deprimierende
Erfahrung, die zum Glück aber oft ohne nennenswerte
Folgen bleibt.
Lese ich allerdings von Jesus Christus, Gottes Sohn, und
seinem Opfer für unsere Sünden und weiß nicht, was das
für mich bedeutet, dann ist dies mehr als tragisch.
Genauso hat es unser Herr gesehen, der seinem
Engel befahl, Philippus nach Gaza zu dirigieren. Und
nicht anders ist es heute, wenn Missionare unterwegs
sind. Gottes Wort muss verkündigt, aber erst recht auch
verstanden werden. Deshalb engagiert sich die Velberter
Mission mit ihren Missionaren in Bibelübersetzung und
Sprachforschung, in Bibelschulen für die Ausbildung
von Pastoren und Evangelisten, in Mitarbeiterschulungen
für Gemeinden, in der Entwicklung von Studienmaterial,
in Seminaren und Bibelgesprächen.
Angeleitet und begleitet werden müssen die, die
tüchtig sind, wiederum andere zu lehren. So hatte
es Paulus dem Timotheus geschrieben. Es geht um Mitarbeiter, |
es geht um Multiplikation und es geht um
schnelle und gründliche Verbreitung des Evangeliums.
Wenn Gründlichkeit und Schnelligkeit zusammen
kommen, dann ergibt dies optimale Leistung.
Philippus macht es vor:
- Er versteht die Sprache des Engels und des Heiligen
Geistes. Das ist Vorbedingung für jeden missionarischen
Dienst und wesentliches Element jeglicher Mitarbeiterschulung
auf dem Missionsfeld.
- Philippus lässt sich „versetzen“ in Richtung „Wüste“.
Er zeigt Glauben und Gehorsam und überaus große
Mobilität und Flexibilität.
- Philippus besitzt eine große Portion Demut, als er
die Stätte des sichtbaren und übernatürlichen Wirkens
der Kraft Gottes verlässt.
- Philippus hatte ein „Ohr“ für das, was gelesen
wurde und Einsicht in die Bedürfnisse eines fremden
Mannes.
- Er hatte das beste Schulungsmaterial, die „Predigt
von Jesus“. Das Ergebnis drückt der Äthiopier so aus:
„Siehe, da ist Wasser; was hindert es, dass ich mich taufen
lasse?“ Die „Schriftauslegung“ hatte einen Menschen
total erneuert und zum Nachfolger Jesu gemacht.
Fokus Mission berichtet diesmal von Erfahrungen
und Erlebnissen unserer Missionare
in der Mitarbeiterschulung. Die Frage:
„Verstehst Du auch, was du liest?“,
wird noch heute hundertfach oder gar
tausendfach gestellt. Der Bedarf muss
auch heute erkannt werden und unsere
Missionare müssen in unserer Zeit
darauf vorbereitet sein. Jeder Einzelne
soll und muss ein Philippus sein, dafür
lasst uns beten.
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Euer
Siegfried Bongartz
Missionsdirektor
der Velberter Mission |
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