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In unserer Ausgabe 3-2007 hatten wir die Missionarsfamilie
im Fokus. Diesmal sind es die Singles,
also die allein stehenden oder unverheirateten Missionare.
Die Velberter Mission hat in ihrer 53-jährigen
Geschichte viele Singles ausgesandt und begleitet. Alle
haben unter ganz unterschiedlichen Bedingungen segensreich
gearbeitet.
Für mich sind sie alle wahre Helden und Heldinnen,
nicht wundersam, wunderlich, sondern bewundernswert
und mit allen Kräften und Mitteln zu unterstützen.
In einer fremden Kultur, ohne familiären Schutz und
Geborgenheit und in persönlicher Einsamkeit stehen
sie ihren Mann bzw. ihre Frau. In ihren Berichten oder Reflexionen über ihren Stand werden innere Kämpfe
und Auseinandersetzungen sichtbar, aber noch mehr
die ungeteilte Liebe und Hingabe im Einsatz für Gottes
Reich. Am Ende aller Berichte lesen wir von Dankbarkeit
und Freude über einen „ungeteilten“ hundertprozentigen
Dienst. Damit sind gerade die Singles ein
großes Geschenk an uns.
Mary Mitchell Slessor ist nur eine von vielen Alleinstehenden,
die gerade als solche Wegbereiterin für viele
nachkommende Missionare in Calabar, dem heutigen
Westafrika (Nigeria), wurde. Sie wurde 1848 in Schottland
geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf
(Vater war Alkoholiker). Schon mit 14 Jahren war sie
mit täglich zehn Stunden Arbeit in den Textilfabriken
Dundees die Haupternährerin ihrer Familie. Durch die
Fürsorge und das Bekenntnis einer Witwe in der Nachbarschaft
bekehrte sich Mary und engagierte sich in der
Sonntagschule und Straßenmission ihrer Gemeinde. Im
Sommer 1876 segelte sie zum ersten Mal im Alter von
28 Jahren nach Calabar. Sie lebte und arbeitete in einer
Missionsstation, was sie aber nicht befriedigte. Sie wollte
ins Innere Afrikas, zu dem Okoyongo Stamm im Niger
Delta, vorstoßen. Nach ihrer dritten Ausreise 1885 und
nachdem ihre Mutter und Geschwister gestorben waren, wird sie überwältigt von Einsamkeit und Verzweiflung
und schreibt: „Es gibt niemand, dem ich meine Geschichten,
meine Schwierigkeiten und meinen Unsinn
mitteilen kann“. Jedoch kam mit dem Schmerz der Einsamkeit
auch ein Gespür für Freiheit oder Freisetzung.
Sie sagte dann: „Der Himmel ist jetzt näher für mich
als Großbritannien und niemand wird sich sorgen um
mich, wenn ich weiter ins Innere Afrikas vordringe“. So
ging sie nach Okoyongo ins Niger Delta, ein Gebiet, das
vielen Missionaren das Leben gekostet hatte. Eine allein
stehende junge Frau, in diesem Gebiet unterwegs, war
ein unsinniges und unverantwortliches Unternehmen.
Mary ließ sich nicht umstimmen, sie war überzeugt,
dass sie gerade als Frau für die unerreichten Okoyongos
viel weniger bedrohlich erschien als Männer. Daraus
wurden 25 Jahre Pionierarbeit in einem Gebiet, in dem kein weißer Mann hätte
überleben können. Sie überlebte aber nicht nur, sondern wurde zur anerkannten
Streitschlichterin, Friedenstifterin und Richterin in der ganzen Region.
Zauberei und Aberglaube waren tief in der Tradition der dortigen Menschen
verwurzelt und fast unmöglich zu besiegen. Eine der schrecklichsten Praktiken
war der Zwillingsmord. Der Aberglaube sagte, dass
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Zwillinge ein Fluch sind, weil einer davon von
einem Geist gezeugt war. In den meisten Fällen wurden beide Säuglinge brutal
getötet und die Mütter verbannt. Mary kämpfte
unter Einsatz ihres Lebens gegen diese
unmenschlichen Rituale. Sie wurde so Mutter für
viele Kinder, die sonst umgebracht worden wären.
Bei ihren periodischen Besuchen in Duke Town
lernte sie Charles Morrison, einen jungen
Missionar, kennen. Er hielt um ihre Hand an und
Mary willigte ein unter der Voraussetzung, dass

er mit nach Okoyongo kommt. Zur
Heirat kam es nicht, weil Charles so krank wurde, dass
er nicht einmal in Duke Town bleiben konnte. Marys
missionarische Aufgabe hatte Priorität vor persönlichen
Beziehungen und Bedürfnissen. Im Jahr 1915, nach
etwa 40 Jahren Einsatz im afrikanischen Dschungel,
starb sie in ihrer Lehmhütte als ein großes Vorbild für
die zahlreichen Missionare, denen sie den Weg in das
innere Afrika öffnete.
Unser Herr hat auch heute noch seine bewährten
„Einzelkämpfer“, die sich im wahrsten Sinne des Wortes
„durchschlagen“. Die Kraft dazu gibt Gott selbst durch
seinen Heiligen Geist. Was sich in den Berichten unserer
Single-Missionare widerspiegelt, ist nichts anderes als
was schon Mary Mitchell Slessor erlebte: die bewusste
Erfahrung der besonderen Nähe, Fürsorge und Liebe
unseres Herrn und die Gewissheit einer besonderen
Berufung. Wenn wir ihre Berichte lesen und sie uns
Einblick schenken in ihr Herz, dann wollen wir sie
besonders in unseren Gebeten begleiten und dankbar
sein für ihren Einsatz.
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Euer
Siegfried Bongartz
Missionsdirektor
der Velberter Mission |
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