Das warme Herz Afrikas
Michaela Winter kommt aus der Freien Christengemeinde in Kronach. Sie hat in diesem Jahr mit ihrem Studium über Geografische Entwicklungsforschung Afrikas an der Universität Bayreuth angefangen. Davor wollte sie gerne den afrikanischen Kontinent besuchen und landete Anfang September bei Familie Strohbehn in Malawi. Hier erzählt sie von ihren Eindrücken:
Einen Bericht über die vier Wochen zu schreiben, die mit unzähligen beeindruckenden Erlebnissen beladen waren, ist absolut nicht einfach… Kurz zusammenfassend kann ich sagen, dass die Zeit in Malawi, „the warm heart of Africa – dem warmen Herzen Afrikas“, wie das Land genannt wird, sehr prägend und äußerst gesegnet war!
Wie kam es überhaupt zu dieser Reise? Bei einem Besuch des Erdkunde-Leistungskurses an einer Universität wurde uns u. a. der Studiengang African Development Studies in Geography – Geographische Entwicklungsforschung Afrikas vorgestellt, der erstaunlicherweise sofort meine Aufmerksamkeit auf sich zog, obwohl ich bis dahin mit dem afrikanischen Kontinent nicht viel „am Hut“ hatte. In den darauf folgenden beiden Jahren gewann jedoch genau dieser Teil der Erde bei mir mehr und mehr an Bedeutung und das o. g. Fach kristallisierte sich als „mein“ Studienwunsch heraus. Nun wusste ich von dem Schwarzen Kontinent nur vom Hören-Sagen und nahm mir vor, noch vor Beginn meines Studiums Afrika einen Besuch abzustatten, um danach entweder vollkommen abgeschreckt eine andere Studienrichtung einzuschlagen, oder durch den Aufenthalt bestätigt, mein Studium zu beginnen.
Letzteres ist der Fall, wobei es weit untertrieben ist, zu sagen, dass ich durch den Aufenthalt lediglich bestätigt wurde…
Wo der Traum beginnt
Nachdem ich über Monika Bongartz von der Velberter Mission mit Familie Strohbehn ersten Kontakt aufgenommen und die Reisevorbereitungen abgeschlossen hatte, landete ich schließlich am 8. September am Flughafen in Blantyre, der größten Stadt Malawis, wo der Traum – wie es mir im Nachhinein manchmal vorkommt – begann.
Schon die schwer beschreibbaren Eindrücke der ersten Fahrt vom Flughafen in die Stadt werde ich wohl nie vergessen: Allein die Tatsache, dass man endlich am „exotischen Zielort“ angekommen ist, lässt ein leicht unwirkliches Gefühl aufkommen; darüber hinaus sitzt man im Auto (wenn man beim zweiten Anlauf die Beifahrertür auf der richtigen Seite des Autos erwischt hat…) und saugt die vielen Neuigkeiten in sich auf und kann gar nicht verstehen, wie die Umwelt für die anderen im Auto schon so alltäglich werden konnte, dass sie über das Treiben am Straßenrand fast schon teilnahmslos hinwegsehen können.
Vom ersten Moment an fiel es mir absolut nicht schwer, mich wohl zu fühlen. Ohne jetzt eine Lobeshymne über Familie Strohbehn anzustimmen, will ich soviel sagen, dass sie mich von Anfang an in ihrer offenen Art sehr herzlich aufnahmen, mir in vielen Dingen zum Vorbild wurden und ich die Zeit mit ihnen als enorm bereichernd empfunden habe.
Jeder einzelne Tag war angefüllt mit einprägsamen Bildern, wertvollen Erfahrungen, interessanten Situationen, jeder Menge Insider-Wissen über Malawi und Afrika im Allgemeinen bzw. Missionsarbeit, intensiven Gesprächen, viel Lachen (wer Ulfs Humor kennt, weiß wovon ich rede…) und vielem mehr.
Die Faszination der schwarzafrikanischen Kultur erleben
Familie Strohbehn gab mir die Möglichkeit, ganz viele Teilbereiche des malawischen Lebens und ganz verschiedene Regionen des Landes kennen zu lernen. ähnlich wie Jesus seine Jünger überall hin mitnahm, so durfte ich Familie Strohbehn auf ihren zahlreichen Touren begleiten. Beispielsweise plante Ulf seine Gottesdienst-Besuche so, dass wir fast jeden Sonntag ein anderes Dorf ansteuerten, was sich jedes Mal wieder als ganz besonders eindrucksvoll herausstellte.
Sehr stark faszinierte mich die malawische oder allgemein schwarzafrikanische Kultur, die gerade in den Dörfern verstärkt zum Ausdruck kam. Hiermit verbinde ich viele verschiedene Aspekte: Seien es die äußerst respektvollen Begrüßungsformen, das Sich-Zeit-Nehmen für den anderen, das traditionelle Essen mit der Hand und die damit verbundenen Handlungsabläufe, der höfliche Umgang mit Gästen und Mitmenschen, die einfache Lebensweise usw. Natürlich dürfen hierbei negative Seiten, wie schädliche Rituale in der Kultur, die weit verbreitete Armut oder starke Abhängigkeit vom primären Sektor, nicht außer Acht gelassen werden.
Bei allen kulturellen Besonderheiten waren wohl die typisch afrikanischen Gottesdienste die Ereignisse, die mich persönlich am stärksten beeindruckten und ein Stück weit veränderten. Ganz unübersehbar war die tiefe Liebe zu Jesus, die in Liedern und Gebeten sichtbar zum Ausdruck kam und die IHM wirklich die volle Konzentration zuteil werden ließ. Der gesamte Gottesdienst war allein auf das Zentrum, auf Gott, hin ausgerichtet und das auf eine Art und Weise, die mich tief bewegte.
Besondere Highlights
Im Rahmen eines derartigen „sonntäglichen Highlights“ hatten wir die Gelegenheit, ein Flüchtlingslager zu besuchen und dort mit Leuten aus Ruanda, Burundi und dem Kongo zu sprechen. Daneben konnte ich in den vier Wochen Einblick in die verschiedenen Tätigkeitsbereiche rund um ein Kinderheim (Kondanani in Bvumbwe) erhalten, mehrmals den Unterricht einer Grundschullehrerausbildung besuchen und hierbei mit den Schülern ins Gespräch kommen, einen Soja-Kochkurs begleiten oder die natürliche Umwelt Malawis am Malawisee intensiv genießen.
Interessant war auch, die Struktur und Verwaltung der Bibelschule Beröa in Blantyre kennen zu lernen, deren Leiter Ulf ist, wodurch ich Informationen direkt aus erster Hand erhalten konnte. Ein weiterer für mich bedeutsamer Ausflug war der zu einem Professor der Universität in Zomba, der gerade auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe informatives Detailwissen hat und dieser Vormittag somit, wie eigentlich der gesamte Aufenthalt in Malawi, eine gute Vorbereitung auf mein Studium war.
Ein Teil meines Herzens blieb in Afrika
Lange Rede, kurzer Sinn: Durch den Aufenthalt bei Familie Strohbehn in Malawi liebe ich nun den afrikanischen Kontinent noch weit mehr als zuvor und freue mich schon heute auf meine künftigen Tätigkeiten in Afrika, weshalb ich ohne Bedenken gleich ein Stück meines Herzens in Afrika lassen konnte, weil ich das freigewordene Gewicht für die zahllosen afrikanischen Andenken gut gebrauchen konnte…
Michaela Winter
Wer eine ähnliche Reise planen und Kontakt mit Michaela aufnehmen möchte, kann ihr ein E-Mail an winter.michaela@arcor.de schreiben.
(Bericht entnommen aus Missionsnachrichten 01/2005)
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