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Reisebericht - Portugal

Portugal anders

Impressionen einer Reise ins unbekannte Alentejo

Etwas stolz ist sie schon, dass die Besucher aus Deutschland die Einladung zum Nachmittagskaffee angenommen haben. Sie hatte es nicht leicht im Leben, aber Gottes Liebe hat sie vor Bitterkeit bewahrt. Fröhlich strahlt sie uns an. Nennen wir unsere Gastgeberin einfach „Oma Catarina“, denn sie ist die Großmutter von Catarina Mantei. Die kleinen fensterlosen Zimmerchen hat sie ordentlich herausgeputzt, und der Kaffee schmeckt vorzüglich.
Natürlich, wir sind ja in Portugal, dem Land der Cafés, wo die Menschen morgens auf dem Weg zur Arbeit schnell mal im Café frühstücken, am Nachmittag einen Espresso trinken und sich nach der Arbeit mit Freunden treffen.

Auf Entdeckungsreise

„Portugal anders“ – so lautete das Motto der Informationsreise, die von der Velberter Mission veranstaltet wurde. Vom 17. bis 25. September 2003 hatte die kleine Reisegruppe Gelegenheit, einen Einblick in das Leben der Missionare Karsten und Catarina Mantei zu bekommen. Seit sieben Jahren arbeiten sie im Alentejo, einer dünn besiedelten Region in Portugal, die gekennzeichnet ist durch kleine Ortschaften, eine sanft hügelige Landschaft und den vielen Korkeichen. Portugal ist der größte Korkproduzent der Welt.
Tatsächlich ist vieles anders in Portugal. Nicht alles lässt sich als Pauschaltourist entdecken. Deshalb war es gut, ein wenig mit hinein genommen zu werden in die Lebensumstände der Menschen, verschiedene Gemeinden zu besuchen und in mehreren Seminaren in Geschichte, Kultur und geistliche Situation eingeführt zu werden.

Nebenan wohnt eine Hexe

Arraiolos, der Wohnort von Familie Mantei, hat nur 3 000 Einwohner, ist jedoch Hauptstadt des Kreises und international bekannt für seine handgeknüpften Teppiche. Von der Burgruine auf dem Hügel hat man eine schöne Aussicht über die typische Landschaft des Alentejo. Die Straßen sind sauber, die Häuser weiß gekalkt. Den Rathausplatz ziert ein moderner Springbrunnen und nette Cafés.
Abends sitzen wir mit Karsten und Catarina in einem Straßencafé. Sie erzählen uns, dass ihre Kinder sehr gern hier leben und gute Freunde haben und dass es jetzt sogar ein Gymnasium im Ort gibt. Sie erzählen uns auch, dass in ihrer Nachbarschaft eine stadtbekannte Hexe wohnt, dass viele Menschen Hilfe beim Priester und Rat bei Wahrsagern suchen und dass jemand schon mal einen verhassten Nachbarn verfluchen lässt. So ist das in Portugal, und das hat auch Auswirkungen auf die Gemeindearbeit.

Männer braucht das Alentejo

Es ist nicht einfach, in Portugal Gemeinde zu bauen. Rasch wird uns klar, dass auch in diesem europäischen Land Missionare gebraucht werden. In den Gottesdiensten sehen wir nur wenige Männer, was den Aufbau einer tragfähigen Leiterschaft in einem konservativ geprägten Umfeld erschwert. Zudem sind die katholische Kirche und der Okkultismus fest in der Gesellschaft verwurzelt. Doch wir hören auch von Gottes Siegen. In Arraiolos und Cabecao konnte Karsten eine Gemeinde gründen und in Montemora eine Caféhausarbeit beginnen, die als Anlaufstelle für Drogenabhänge dient. Dort berichtet uns ein junger Mann, wie Gott ihn von der Drogensucht befreit hat.
Die Gottesdienstzeiten richten sich hier eher einmal nach den Bedürfnissen der Besucher; bei uns zu Hause müsste erst lange darüber diskutiert werden. Eine Geschäftsfrau kann nur am Montagabend kommen, also findet der Gottesdiensteben am Montagabend statt.

„Und wer macht morgen die Sonntagschule?“

Mit dieser Frage überrascht Karsten uns am Samstagabend. In einem Ort findet der Gottesdienst mittwochabends statt, sonntags geht jeder in die Sonntagschule der Gemeinde. So kommt es, dass ich ein Seminar für die Erwachsenen halte und meine Frau mit einer weiteren Reiseteilnehmerin zum ersten Mal in ihrem Leben eine Kinderstunde gestaltet; alles spontan, kaum vorbereitet, aber gesegnet.
Spontaneität und Geduld, beides ist nötig, um hier im Altenjeo Reich Gottes zu bauen. Wöchentlich predigt Karsten in mehreren Gemeinden, betreut die Cafehausarbeit, hält Seminare und führt Evangelisationseinsätze durch. Häufig klingelt das Telefon und schnell ist noch ein dringender Besuch zu erledigen. Catarina arbeitet in der Sonntagschule mit und versorgt fast ständig irgendwelche Gäste, so wie jetzt auch uns. Im Gottesdienst spielt Tochter Nadine Keyboard und Sohn Dennis sammelt mit Eifer das Opfer ein. Alle packen an. Da staunen wir schon, eine so nette Familie angetroffen zu haben – und das sind die Manteis wirklich!

Gegensätze

Die Gelegenheit, die Hauptstadt Lissabon zu besuchen, lassen wir uns natürlich nicht nehmen. Zwei imposante Brücken überspannen die Mündung des Tejo, jenes Flusses, der dieser Region den Namen gab. Neben den Zeugnissen einer ruhmreichen Geschichte – immerhin war Christoph Columbus Portugiese – fallen mir die Bettler auf. Der Glanz vergangener Tage mag denen egal sein, die in der Großstadthektik ums tägliche Überleben kämpfen.
Ganz anders der Markt in Cabeçao. Was für die Dorfbewohner ein besonderes Ereignis ist, wirkt auf uns eher beschaulich. Hier scheint jeder viel Zeit zu haben. Als ich eine Karussellbesitzerin frage, ob sie sich von mir fotografieren lässt, ist sie erstaunt und ein wenig stolz. Sie erzählt, dass sie sich schon länger eine christliche Versammlung an ihrem Wohnort wünscht – da wird unser Missionar Karsten Mantei gleich ganz hellhörig!

Ein dickes Dankeschön

… an Familie Mantei, die uns einen Einblick in ihr Leben gewährte, uns wertvolle Impulse gab und sich so großartig um uns gekümmert hat. Dank an unseren Gott, der unsere Manteis segnet! Dank an die Reiseteilnehmer für die schöne Gemeinschaft. Danke allen Missionsfreunden, die für unsere Missionare Mantei beten. Und danke den Spendern, die dazu beitragen, dass im Alentejo Gemeinde gebaut werden kann.

Wolfgang Petersen

 
 
 
   
 
     

 

 

 

 

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