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Türkei
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Land zwischen zwei Welten
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AUF DEN SPUREN CHRISTLICHEN GLAUBENS
IN SÜDOSTANATOLIEN
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Es ist heiß hier oben, aber unter dem „Beduinendach“ lässt es sich gut aushalten. Das dunkle, leicht gewebte Zeltdach schützt vor der Sonne und lässt die Luft angenehm zirkulieren. Gemeinsam lesen wir einige Bibelstellen, in denen unser Aufenthaltsort genannt wird. Hier also ließ Abraham sich nieder, nachdem sein Vater Terach mit der Familie Ur in Chaldäa verließ, um nach Kanaan zu ziehen. Auch Jakob wanderte einmal nach Haran. Und vermutlich hat sogar Hiob hier gelebt. Langsam wird uns deutlich, dass wir uns an einer besonderen historischen Stätte befinden: Wir sind im biblischen Haran! Vor uns erstreckt sich eine weite Ebene, und in Gedanken sehen wir die Herden Abrahams weiden.
Harran – verträumter Ort mit großer Vergangenheit
Im Altertum zu Syrien gehörend, liegt Harran – so die heutige Schreibweise – in der Türkei, genauer gesagt in Südost-Anatolien. Welche archäologischen Schätze mögen unter dem Hügel verborgen sein, auf dem jetzt die Ruinen einer alten Festung stehen? Ob wohl noch Spuren von Abraham, Jakob oder gar Hiob zu finden wären?
Einstmals gab es hier eine islamische Universität, aber selbst davon sind lediglich einige Mauerreste und eine kleine Ausgrabungsstätte geblieben. Lange galt Harran als wichtiger Umschlagplatz zwischen dem mesopotamischen Tiefland und den Bergvölkern des Westens und Nordens, doch heute ist es ein kleines, abgeschiedenes Dorf. Die spielenden Kinder wissen nichts davon, sie leben in einer Region, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint.
Hinter Gaziantep hört der Westen auf
Auf der Suche nach christlichen Wurzeln in der Türkei habe ich mir nicht den Westen ausgesucht mit Ephesus und den anderen Städten aus den Sendschreiben der Offenbarung, sondern die Grenzregion zwischen dem mehr westlich geprägten Landesteil und dem beinahe orientalischen Südosten. Schon im Altertum galt die Region als Grenze zum Orient, hier verlief die alte Seidenstraße. Touristen „verlaufen“ sich eher selten hierher – außer, sie sind an den historischen Stätten interessiert, oder an den Menschen und ihrer Kultur, die irgendwie zwischen zwei Welten leben.
Unser Flieger bringt uns direkt von Düsseldorf nach Ganziantep, einer ostanatolischen Großstadt mit vielen Moscheen und einem sehr schön angelegten Park. Wir sehen moderne Geschäfte und ebenso modern gekleidete junge Leute. Der Straßenverkehr ist hektischer als bei uns zu Hause und irgendwie wirkt alles eben südländischer, aber deutlich ist der westliche Einfluss zu spüren – nirgendwo habe ich mehr Handygeschäfte gesehen.
Doch bereits wenige Kilometer weiter östlich, etwa in Urfa, scheinen wir im Orient angekommen zu sein. Männer mit kariertem Kopftuch und verschleierte Frauen begegnen uns und die Seitenstraßen sehen noch armseliger aus, die vielen kleinen Geschäfte, Werkstätten und Basare noch fremder.
Spuren früherer Erweckung
Eine der bekanntesten Städte ist Antakya, das einstige Antiochia aus der Apostelgeschichte. Wir stellen uns Paulus vor, wie er hier gepredigt haben mag. Doch statt einer missionsorientierten geisterfüllten Gemeinde entdecken wir lediglich eine kleine katholische Kirche, in der auch einige evangelische Christen ihren Gottesdienst feiern. Aber missioniert werden darf hier schon seit Jahrhunderten nicht mehr. Am Strand von Seleuzia, etwa 30 km von Antakya entfernt, sollen Paulus, Lukas und ihre Begleiter an Land gegangen sein. Eine kleine Museumskirche, in einen Felsen hineingebaut, erinnert an diese Zeiten.
In einer anderen Stadt entdecken wir christliche Spuren aus der jüngeren Vergangenheit. Amerikanische Missionare gründeten im 19. Jahrhundert eine Klinik, die noch heute in Betrieb ist. Im Garten sind sogar die Gedenksteine noch gut erhalten geblieben.
Die Tragik der Türkei
Überall wird deutlich, die Türkei ist ein islamisches Land. Der Gebetsruf des Muezzin ertönt über Lautsprecher sogar von den Straßenecken, auch wenn sich in den großen Städten kaum jemand darum zu kümmern scheint. Die einstmals schönen armenischen Kirchen dienen oft als Museum, meist jedoch sind sie zur Moschee umfunktioniert. Die ganze Kultur ist über die Jahrhunderte islamisch geprägt – eine wirkliche Tragik, wenn wir bedenken, welcher geistliche Segen zur Zeit des Neuen Testamentes von hier ausgegangen ist. Wie konnte das geschehen, dass blühende Gemeinden völlig in der Geschichte der Zeit verschwunden sind? Was könnte getan werden, um dieses große Land wieder zum geistlichen Leben zu bringen?
Gebet: Ein unerreichtes Land erreichen
Mission ist in der Türkei nicht erlaubt. Dennoch gibt es dort Christen, die durch ihr Leben und persönliche Beziehungen zu den Menschen ein Zeugnis für Jesus sind.
Ich bitte unsere Leser herzlich, für die Türkei zu beten. Betet für die über 66 Millionen Einwohner, deren Lebensstandard weit unter dem unsrigen liegt. Betet, dass die Menschen einen Weg finden von der Tradition in die Moderne, aus den Fesseln des Islam, aber nicht in die Fesseln westlichen Materialismus und westlicher Dekadenz. Betet für die Christen im Land, für die es nicht einfach ist, in einer muslimischen, andersartigen Kultur zu leben und Menschen für Jesus zu gewinnen.
Und helft uns als Velberter Mission, dass wir dazu beitragen können, dieses unerreichte Land mit dem Evangelium zu erreichen. Konkrete Ansätze gibt es dazu, auch wenn wir an dieser Stelle nicht weiter darüber berichten können.
Wolfgang Petersen
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